Minister: Digitalisierung eine Chance für Milchbauern

Jan Philipp Albrecht (Bündnis90/Die Grünen), schleswig-holsteinischer Landwirtschaftsminister. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
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10. Februar 2020 - 11:20 Uhr

Die Digitalisierung ist aus Sicht des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministers Jan Philipp Albrecht eine Chance für eine zukunftsfähige Milchproduktion. Dies machte der Grünen-Politiker auf dem Milchbauerntag in Osterrönfeld bei Rendsburg vor rund 100 Landwirten deutlich. Albrecht ist auch für die Digitalisierung zuständig. Rinder- und Milchviehhaltung machen rund 40 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswertes in Schleswig-Holstein aus. Jährlich werden im Land rund drei Milliarden Kilogramm Milch erzeugt.

Aber: "Die Lage ist ernst", sagte die Landessprecherin des Milchbauernverbandes, Kirsten Wosnitza. Die Milchpreise seien weiterhin knapp, die erforderlichen 40 Cent je Liter seien längst nicht erreicht. Ein Cent je Liter bedeuteten 10.000 Euro mehr oder weniger für einen Landwirt. Ein Bauer forderte den Minister auf, der Nahrungsmittelindustrie auf die Füße zu treten, um zu fairen Preisen zu kommen.

Albrecht warf der Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) vor, sie gehe nicht gegen Werbung für Dumpingpreise an. Beim Milchbauerntag machten Landwirte Existenzsorgen deutlich. Und: "Der Unfrieden zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft nimmt zu", sagte ein Milchbauer.

Die Digitalisierung wird von vielerorts längst praktiziert, zum Beispiel für einen optimierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Futter und Dünger. Nach Einschätzung des Milchbauernverbands bietet die Digitalisierung Chancen besonders auch im Umweltschutz. Zudem erleichtere sie die Erfüllung bürokratischer Vorgaben. Risiken bestünden darin, dass wenige multinationale Unternehmen die Patente auf Schlüsseltechnologien halten und damit auch die Daten der Landwirte bündeln. Auch bei der Digitalisierung dürfe der offene Wettbewerb nicht durch Machtkonzentration ausgebremst werden.

Das Land wolle den Landwirten noch stärker Plattformen zur Verfügung stellen, von denen sie Daten abrufen können, damit sie nicht von einzelnen Anbietern abhängig werden, sagte Minister Albrecht. Bei der Datensouveränität gebe es große Herausforderungen. Zudem organisiere das Land den Ausbau der digitalen Infrastruktur und stärke gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer die Beratung, um die Betriebe für die Zukunft fitzumachen, sagte Albrecht der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, dass die Bereitschaft der Betriebe sehr groß ist." Beim Ausbau des Glasfasernetzes sei Schleswig-Holstein das führende Flächenland in Deutschland.

Der Ausbau des Breitbandausbaus laufe in den Regionen sehr unterschiedlich, sagte Wosnitza. "Wir haben das bei uns in Nordfriesland selber angefangen und dafür eine Bürgergesellschaft gegründet." Die Anschlussquote habe 70 bis 80 Prozent erreicht. Mittlerweile sei auch die Förderung des Landes am Laufen. Die Digitalisierung trage dazu bei, Dünger oder Pflanzenschutzmittel präziser auszubringen, sagte Wosnitza. "Aber das wird nicht alle Probleme in der Landwirtschaft lösen." Ein Bewegungssensor könne dem Landwirt anzeigen, dass eine Kuh lahmt. Doch er müsse trotzdem dafür sorgen, dass die Kuh behandelt wird.

Quelle: DPA