Tragisches Minenunglück in China

Verschüttete Bergleute wünschen sich Würstchen

20. Januar 2021 - 16:20 Uhr

Nach Minen-Explosion in China: Zwölf Bergleute kämpfen ums Überleben

Seit zehn Tagen sind zwölf Bergleute in einer Goldmine im chinesischen Qixia (Provinz Shandong) gefangen. Die Rettungskräfte halten seit Sonntag Kontakt zu elf Kumpeln, die gemeinsam nach einer Explosion verschüttet worden waren. Ein weiterer Mann stecke alleine in einer anderen Grube fest, heißt es. Zehn Menschen seien ums Leben gekommen. Über einen dünnen Kommunikationstunnel werden die Überlebenden derzeit von den Rettungskräften versorgt. Laut Medienberichten wünschen sie sich eine Sache ganz besonders: Schweinswürste.

China: Eingesperrte Bergleute schicken Nachricht an Retter

China, Rettungsarbeiten nach Explosion in einer Goldmine in Qixia
Am späten Sonntagabend (Ortszeit) hatten die Verschütteten einen ersten Brief an die Außenwelt geschickt.
© imago images/Xinhua, Xinhua via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Über einen rund 540 Meter langen Tunnel halten die Rettungskräfte Kontakt zu den verschütteten Bergleuten und versorgen sie durch diesen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten. Am späten Sonntagabend (Ortszeit) hatten die Verschütteten bereits einen ersten Brief an die Außenwelt geschickt, mit der Bitte: "Wir sind sehr erschöpft, brauchen dringend Magenmedizin, Schmerzmittel, Verbandsmittel, externe Entzündungshemmer, und drei Personen haben Bluthochdruck".

Nun folgte ein weiterer Zettel, in dem sie sich für den Brei und die Medikamente bedanken – und einen ganz besonderen Wunsch äußern. Wie die britische BBC am Mittwoch schreibt, hätten die Bergleute gerne ein paar traditionelle chinesische Schweinswürste im 540 Meter tiefen Loch.

Viel Rauch und Wasser im Schacht

Rettungsschacht in China
Ein Rettungsschacht, der einen Durchmesser von der Größe eines Gullydeckels hat, wird derzeit vergrößert.
© VIA REUTERS, STRINGER, FL

Tagelang hatten die Retter nach Überlebenden des Minenunglücks gesucht. In der Hoffnung auf ein Lebenszeichen bohrten sie mehrere Löcher in den Boden und ließen Stahlseile hinunter. Am Montag konnten sie endlich aufatmen, als sie Schläge gegen das Bohrgestänge hörten und einen Zug am Seil spürten. Über den dünnen Kommunikationsschacht teilten die Bergleute dann mit, dass vier der zwölf Kumpel verletzt seien, einer liege im Koma. Für ihn seien Medikamente unter Tage geschickt worden, teilte der Vize-Chef der Rettungskräfte, Song Xicheng, am Mittwoch mit. Er sei aber nicht sehr optimistisch, da der Verletzte nicht intravenös behandelt und künstlich ernährt werden könne.

In dem Schacht sei außerdem viel Rauch und Wasser. Die anderen Kumpel seien zwar schwach, aber bei guter Gesundheit, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Von zehn weiteren Verschütteten gab es allerdings keine Spur. Ein Rettungsschacht, der einen Durchmesser von der Größe eines Gullydeckels habe, werde derzeit vergrößert, heißt es weiter. Durch diesen sollen die Bergleute gerettet werden. Doch die Zeit drängt. Es drohe wegen der Wassermengen eine Überflutung der Grubenschächte.

Schwere Bergung der verschütteten Bergleute

Bergwerk in China
Wegen Sicherheitsmängeln gibt es in chinesischen Bergwerken immer wieder tödliche Unfälle..
© REUTERS, STRINGER, /FW1F/Gareth GDJones

Das Unglück passierte am 10. Januar. Die Bergung sei schwierig, weil Hindernisse das Bergwerk blockierten, berichtete Xinhua. Mehr als 400 Hilfskräfte seien im Einsatz. Zwei hohe Funktionäre, der Parteichef und der Bürgermeister von Qixia, seien ihrer Posten entbunden worden. Laut der Nachrichtenagentur informierte das Bergwerksunternehmen die Behörden erst zwei Tage nach dem Unglück.

Wegen Sicherheitsmängeln gibt es in chinesischen Bergwerken immer wieder tödliche Unfälle. Schlechte Sicherheitsvorkehrungen und mangelnde Aufsicht aufgrund von Vetternwirtschaft sind häufig die Ursachen. Viele Unglücke werden auch vertuscht.