Mindestens 44 Tote nach Balkan-Flut – Hochwasser legt gefährliche Landminen frei

22. Mai 2014 - 17:23 Uhr

120.000 scharfe Landminen wurden an die Oberfläche gespült

Immer tragischer wird die Bilanz der Unwetterkatastrophe in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Mindestens 44 Todesopfer hat das Hochwasser bislang gefordert. Zehntausende Häuser mussten geräumt werden. Im Auftrag der Bundesregierung ist inzwischen auch das THW in Serbien angelangt. Neue Gefahr droht durch Tausende von Landminen, die mit den Fluten in angrenzende Länder gespült werden können.

Hochwasser Balkan
Immer tragischer wird die Bilanz der Unwetterkatastrophe in Bosnien-Herzegowina und Serbien.
© dpa, Dragan Karadarevic

"Das Wasser kam so schnell, als wenn einer einfach den Stöpsel gezogen hat, Gelbes, dreckiges Wasser. Es hat sich angehört wie ein riesiger Wasserfall", berichtet eine Augenzeugin. Schlammlawinen verschütteten Häuser und Straßen. Im bosnischen Doboj stand das Wasser stellenweise noch bis zu vier Meter hoch. "Höchste Priorität hat jetzt das Auffinden der Toten", sagte Petrovic. Man müsse herausfinden, wie viele Menschen in den Fluten umkamen: "Es werden viele Tote sein." Unter anderem der Fluss Sava war nach tagelangen Regenfällen extrem angeschwollen.

Nach mehr als zwei Tagen drangen Rettungskräfte in die bosnische Stadt Samac vor. "Das ist die totale Verwüstung, es sieht vom Hubschrauber wie ein Meer aus", sagte Bürgermeister Savo Minic der Nachrichtenagentur Fena. Zwei Menschen seien tot, zwei weitere würden noch vermisst. Die Evakuierung verlaufe chaotisch. "Alles ist Überflutet, es ist schrecklich. Aber wir müssen weiter machen. Wir haben ja nur ein Leben", fasst eine verzweifelte Frau die Lage zusammen.

Es muss weiter gehen. Und so helfen zehntausende Soldaten in Bosnien bei den Aufräumarbeiten. Doch genau das ist zum Teil lebensgefährlich. Denn die Fluten haben 120.000 scharfe Landminen an die Oberfläche gespült. Die Behörden befürchten, dass die Minen über die Flüsse auch in die Nachbarländer gespült werden könnten. Denn die nächste Flutwelle wird Mitte der Woche erwartet.

Um die Gefahr der Sprengkörper aus dem Krieg in den 90er Jahren einschätzen zu können, stellen die Minenaktionszentren (MAC) in Bosnien, Kroatien und Serbien ein Team zusammen. Denn die Minen seien auch nach Jahren noch eine tödliche Gefahr, selbst wenn der Zündmechanismus feucht geworden sei. "Es gibt keine nicht-tödliche Mine", sagte Sasa Obradovic vom MAC.

Ausbruch von Seuchen befürchtet

Die Behörden in Bosnien-Herzegowina befürchten auch den Ausbruch von Seuchen. Bei steigenden Temperaturen könnte von Tierkadavern verunreinigtes Wasser zum Ausbruch von Krankheiten wie Typhus oder Hepatitis führen, sagte der Leiter des Gesundheitsamts in Sarajevo dem bosnischen Fernsehen. In erster Linie gehe es nun darum, eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten.

In Serbien bargen Helfer zwölf Leichen in der am schlimmsten betroffenen Stadt Obrenovac, die auch an der Sava liegt. Ministerpräsident Aleksandar Vucic bezeichnete die Lage als katastrophal und äußerte die Befürchtung, die Zahl der Toten könne weiter steige. Mehr als 4.000 der 30.000 Einwohner wurden aus der Stadt evakuiert. 60.000 Sandsäcke sollen das größte serbische Kraftwerk dort vor Überschwemmungen schützen. In den Städten Sabac, Mitrovica und Kostolac sei die Hochwasserlage unter Kontrolle, teilten die Einsatzkräfte mit.

In Bosnien und Serbien stieg die Gefahr von Erdrutschen. Schlammlawinen zerstörten am Samstag nach Angaben der bosnischen Behörden das Dorf Olovo und machten acht Hauptstraßen unbefahrbar. Im Westen von Serbien zerstörten Erdrutsche Dutzende Häuser in Krupanj und umliegenden Dörfern.

Die serbische Regierung will das Ausmaß der Schäden am Mittwoch abschätzen. Ministerpräsident Vucic bezifferte den finanziellen Schaden allein durch die Überflutung der Grube von Kolubara, des größten Kohlebergwerks von Serbien, auf 100 Millionen Euro.