Mehr als drei Millionen Menschen in Notunterkünfte

Mindestens 24 Tote bei Zyklon in Indien und Bangladesch

21. Mai 2020 - 14:57 Uhr

Einer der stärksten Stürme der Region mitten in der Corona-Pandemie

Der starke Wirbelsturm "Amphan" hat in Indien und Bangladesch mindestens 24 Menschen das Leben gekostet. Sie starben etwa durch zusammenkrachende Häuser oder umstürzende Bäume, wie zuständige Behörden mitteilten. In weiten Teilen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Kolkata im Nordosten Indiens sei der Strom ausgefallen. Der Flughafen der Stadt war völlig überflutet, es gab umgestürzte Strommasten und umgekippte Autos, wie Fernsehbilder zeigten.

Bis zu 185 km/h mit viel Regen und Gewitter

Laut der Regierungschefin des betroffenen nordostindischen Bundesstaates Westbengalen sei die Katastrophe größer als Corona und es brauche drei, vier Tage, um das ganze Ausmaß der Schäden abzuschätzen. Der Sturm brachte laut dem indischen meteorologischen Dienst Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 Kilometern pro Stunde und viel Regen und Gewitter mit sich.

Mehr als drei Millionen in Notunterkünfte gebracht

20.05.2020, Bangladesch, Shyamnagar: Ein Boot bringt vor der Ankunft des Zyklons «Amphan» Menschen ans Land, während Einheimische einen Damm überprüfen. Der Wirbelsturm hat in Indien und Bangladesch über zehn Menschen das Leben gekostet. Sie starben
Viele Menschen überlebten wohl, weil mehr als drei Millionen zuvor in Notunterkünfte gebracht worden waren.
© dpa, Abu Sufian Jewel, dul

Viele Menschen überlebten wohl, weil mehr als drei Millionen in Notunterkünfte gebracht worden waren, bevor Sturm "Amphan" am Mittwoch das Festland erreicht hatte. Aber etliche andere blieben daheim, weil sie um Hab und Gut fürchteten. Laut dem indischen meteorologischen Dienst ist er einer der schlimmsten Stürme in der Region der vergangenen 20 Jahre. Er sollte weiter über Bangladesch nach Bhutan ziehen und sich am Donnerstagnachmittag abschwächen.​

Ein Mann, der in der Nähe vom Ort lebte, wo der Sturm am Mittwoch an Land kam, sagte dem Fernsehsender NDTV: "Viele Gebiete sind verwüstet und es gibt keine Wasserversorgung. In unserem Dorf hat dieser schreckliche Sturm alles flach gemacht."

Die Corona-Pandemie machte die große Evakuierung noch schwieriger als sonst bei solchen Stürmen. Um Abstand zu gewährleisten, stellten Behörden beider Länder nach eigenen Angaben mehr Notunterkünfte zur Verfügung. Es würden etwa leerstehende Schulen genutzt. Doch mehr Gebäude zu finden, sei schwierig gewesen, da einige Notunterkünfte zurzeit als Quarantäne-Gebäude oder temporäre Unterkünfte für gestrandete Wanderarbeiter dienten.

Indien und Bangladesch kämpfen mit immer mehr Corona-Infektionen

Pankay Anand von der Hilfsorganisation Oxfam sagte, dass einige Leute Angst hätten, sich in den Unterkünften mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren. Teils würden Masken oder Desinfektionsmittel verteilt. Trotzdem konnten die Leute in den Unterkünften nicht immer genügend Abstand halten, wie Fernsehbilder zeigten.

Indien und Bangladesch kämpfen mit immer mehr Corona-Infektionen, in beiden Ländern gilt eine Ausgangssperre. In Indien haben sich nach Aufzeichnungen der amerikanischen Johns Hopkins Universität inzwischen mehr als 112.000 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert, mehr als 3.400 starben infolge der Lungenkrankheit Covid-19.

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