Millionenbetrug in New York: Falsche 9/11-Opfer erschleichen Geld

Mehr als 100 Stadtangestellte von Feuerwehr, als auch von der Polizei sollen in den Betrug involviert sein.
Mehr als 100 Stadtangestellte von Feuerwehr, als auch von der Polizei sollen in den Betrug involviert sein.
© picture alliance / ZUMAPRESS.com, Ray Graham

08. Januar 2014 - 16:55 Uhr

"Die Unverfrorenheit ist schockierend"

Ermittler in New York sind einem großangelegten Betrug auf der Spur: Mehr als 100 Stadtangestellte sollen sich Hunderte Millionen Dollar Behindertenunterstützung erschlichen haben. Den 106 Menschen, darunter 80 frühere Polizisten und Feuerwehrmänner, werde vorgeworfen, Geisteskrankheiten vorgetäuscht zu haben, um Geld zu kassieren, teilte die New Yorker Staatsanwaltschaft mit. "Die Unverfrorenheit ist schockierend", sagte der Staatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance.

Einige der früheren Polizisten und Feuerwehrmänner behaupteten, dass sie von den Angriffen auf die Türme des World Trade Centers am 11. September 2001 traumatisiert worden seien. Die Ermittler deckten jedoch auf, dass die Beschuldigten an dem Tag gar nicht in der Nähe des World Trade Centers waren. Dies sei ein besonders zynischer Aspekt des Betrugs, sagte Vance.

Bis zu 36.000 Euro hätten sich die früheren Stadtangestellten so pro Jahr erschlichen. Das Ganze habe bereits 1988 angefangen. Die Behörden vermuten, dass der Schaden insgesamt mehr als 300 Millionen Euro betragen könnte.

Angeblich Schwerkranke flogen Helikopter und fuhren Jet-Ski

Vier der Beschuldigten sollen den Betrug organisiert haben. Ihre Anwälte weisen die Anschuldigungen zurück: "Es bestehe kein Zweifel, dass die Beschuldigten an Krankheiten oder Behinderungen litten", betonte Brian Griffin, der einen der mutmaßlichen Drahtzieher als Anwalt vertritt. Nur das Ausmaß sei umstritten.

Behindertenunterstützung bekommt in den USA nur, wer aufgrund einer körperlichen oder geistigen Behinderung keinen Job annehmen kann. Viele der Beschuldigten behaupteten, dass sie sich noch nicht einmal um sich selbst kümmern könnten und Angst hätten, das Haus zu verlassen.

Ermittler deckten jedoch auf, dass die Beschuldigten unter anderem Helikopter flogen, Jet-Ski fuhren und Kampfsport trainierten. Sie fanden Bilder der Aktivitäten von Beihilfeempfängern auf Facebook, die sie etwa beim Fischen in Costa Rica oder auf einem Motorrad zeigten.