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Milliardenschwerer Überschuss: Erste Krankenkasse zahlt Praxisgebühr zurück

Milliardenschwerer Überschuss: Erste Krankenkasse zahlt Praxisgebühr zurück

Keine Zehn-Euro-Gebühr mehr – bei gesunder Lebensweise

Die Krankenkassen sitzen auf Milliarden-Überschüssen – das bekommen jetzt langsam auch die Versicherten zu spüren: Die KKH-Allianz zahlt ihren Mitgliedern als erste bundesweite, große Krankenkasse die Praxisgebühr komplett zurück. Für Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ein Beispiel, das Schule machen sollte.

Die erste Kasse erstattet die Zehn-Euro-Gebühr
Krankenkassen horten ein Milliarden-Plus - könnte deshalb die Praxisgebühr bald entfallen?
dpa, Patrick Pleul

Ab erstem Januar 2013 bekommen die 1,8 Versicherten und kostenlos Mitversicherten der Kasse bis zu 40 Euro im Jahr für Besuche bei Arzt, Zahnarzt und Psychotherapeut bei Einreichen der Quittung zurück erstattet. Als Bedingung müssten die Kunden allerdings einen Nachweis über vier gesundheitsbewusste Maßnahmen pro Jahr vorlegen.

"Die Praxisgebühr belastet einseitig kranke Versicherte und hat keinerlei Steuerungswirkung. Das ist nicht gerecht", begründete Vorstandschef Ingo Kailuweit die Entscheidung der Kasse. "Wir wollen unsere Versicherten nicht warten lassen, bis auch der Gesetzgeber zu dieser Einsicht kommt und die Gebühr endlich abschafft."

Die kleine Krankenkasse BKK Pfalz bietet ein ähnliches Modell an. Auch sie setzt dabei die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen voraus.

Krankenversicherung sitzt auf Milliarden-Plus

Die Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung steuern auf einen Rekord von über 20 Milliarden zu. Der Überschuss im Gesundheitsfonds soll bis Ende kommenden Jahres auf über 14 Milliarden Euro steigen, so offizielle Schätzungen des Bundesversicherungsamts. Die einzelnen Krankenkassen haben außerdem zusätzlich schon im vergangenen Halbjahr 12,8 Milliarden Euro angehäuft, die sich eigenen Angaben zufolge, über die kommenden Monate nicht verringern werden.

Eine Prognose für 2012 verzeichnet steigende Einnahmen des Fonds über 188,7 Milliarden und einen Überschuss von rund 3,2 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr sollen die Einnahmen auf 191,8 Milliarden steigen, davon wieder rund 1,6 Milliarden Euro als Reserve. Schon 2011 umfasste die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds 9,5 Milliarden. Insgesamt ergibt sich ein Finanzpolster von mehr als 14 Milliarden Euro.

Das enorme Plus im Gesundheitsfonds verschärft die Debatte um die Praxisgebühr: Die Überschüsse hätten ein Maß angenommen, das einen Verzicht auf die unsinnige Praxisgebühr rechtfertige, sagte Gesundheitsminister Bahr. "Wir können uns das leisten." Der Verzicht auf die Gebühren würde zwei Milliarden Euro kosten, so Bahr. Die FDP werde das erneut zum Thema im Koalitionsausschuss machen.

Eine Senkung der Krankenkassenbeiträge lehnte der Gesundheitsminister ab. Es sei nicht richtig, wenn man beim Beitragssatz immer rauf und runter gehe. Und eine minimale Senkung würden die Menschen kaum spüren. "Aber wenn die zehn Euro beim Arztbesuch wegfallen, das erleben die Bürger wirklich", sagte er. "Ich glaube, dass die Versicherten und Patienten am meisten profitieren würden, wenn die Praxisgebühr wegfiele."