Hätte der Reiseveranstalter die Betroffenen vorwarnen können?

Militärübungen am Strand statt Traumurlaub - weitere deutsche Touristen betroffen

11. November 2019 - 9:45 Uhr

Familie Jung aus Darmstadt dokumentiert den Beginn der Militärübungen

Statt Traumurlaub am Strand hieß es kürzlich für viele Touristen in den Vereinigten Arabischen Emiraten: Militärübungen direkt am Wasser, tagelang wird geschossen und gebombt. Jetzt haben sich nach unserem Bericht über die Kampfhandlungen weitere deutsche Touristen gemeldet, die ihren Urlaub mit Panzern und Düsenflugzeugen verbringen mussten, statt entspannen zu können. Ihre Erlebnisse werfen neue Fragen auf: Hätte der Reiseveranstalter nicht früher Kenntnis von der Militärübung haben müssen und die Urlauber entsprechend früher warnen können?

Wie Betroffene vorgehen können und ob es in solch einer Situation Geld zurück gibt, erklärt RTL-Urlaubsretter Ralf Benkö im Video.

Die Militärübung war im Vorhinein bekannt

Gundula Raabe und Ingo Kreitzler waren die ersten, die sich an Ralf Benkö gewandt haben. Noch aus ihrem Urlaub in Ras al Khaimah haben sie Videos von den Militärübungen geschickt. Höhepunkt war die Militärparade "Union Fortress 6" am 1. November.

Bereits kurz nach ihrer Ankunft im 5-Sterne-Hotel am 21. Oktober haben sich die deutschen Urlauber immer wieder die Frage gestellt: Warum hat uns der Reiseveranstalter nicht gewarnt? Der Reiseveranstalter FTI schrieb in einer Stellungnahme an Ralf Benkö: "Weder wir als Veranstalter noch die Hoteliers vor Ort werden über die Planungen des Militärs vorab informiert. Erst kurz vor Start der Übungseinheiten werden unsere Partner in Kenntnis gesetzt."

Die Militärübung war die größte, die es jemals in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegeben hat. Bereits am 5. Oktober wurde auf dem Portal UAE BARQ darüber berichtet, dass die Militärübung in Ras al Khaimah stattfindet. Der Reiseveranstalter hätte über zwei Wochen Zeit gehabt, Gundula Raabe und Ingo Kreitzler davon in Kenntnis zu setzen.

Reiseveranstalter FTI will von Militärübungen nichts gewusst haben

Familie Jung
Familie Jung aus Darmstadt in ihrem Hotel in Ras al Khaimah.
© RTL, Familie Jung

Über eine rechtzeitige Warnung hätte sich auch Familie Jung aus Darmstadt gefreut. Sie konnte ihren Urlaub am 29. September immerhin ohne Kriegslärm beginnen. Doch ab dem 8. Oktober änderte sich die Situation: Fotos, die sie an Ralf Benkö schickten, zeigten den Start der Militärübung. Ihre Handyfotos zeigen Kampfhubschrauber, die über das Meer an ihrem Urlaubsstrand donnern und Panzer, die zu der Übung verschifft werden. Wie die Familie die kriegerische Atmosphäre mit ihrem neunjährigen Sohn erlebte, erzählen sie im Video.

Und was sagt Reiseveranstalter FTI dazu? "Unsere Agentur vor Ort wurde offiziell weder von einer Behörde, dem Tourismusverband oder einer anderen Institution im Voraus in Kenntnis gesetzt. Unser Ansprechpartner in der Region hat aus lokalen Medien lediglich erfahren, dass eine Probe am 1. November stattfinden wird, detaillierte Informationen über Dauer, Größe und Umfang der Veranstaltung gab es nicht", erklärt das Reiseunternehmen.

Aber hätte die lokale Agentur nicht von der Militärübung Kenntnis haben müssen? Und wenn die Übungen bereits am 8. Oktober angelaufen sind, wäre noch genug Zeit gewesen, Gundula Raabe und Ingo Kreitzler zu warnen. Laut FTI sei erst in der letzten Oktoberwoche die Anzahl der Übungen ohne Vorwarnung drastisch angestiegen.