Einschätzung von RTL-Korrespondent Dirk Emmerich

Militärparade in Washington: Trump inszeniert sich zum amerikanischen Nationalfeiertag

© dpa, Jacquelyn Martin, JM pat

4. Juli 2019 - 18:27 Uhr

Von Dirk Emmerich

Heute feiern die USA den Independence Day. Nach dem Willen von Präsident Donald Trump soll es dieses Mal auch eine Militärshow geben. Und erstmals will er vor großem Publikum auch eine Rede zum Nationalfeiertag halten.

Dirk Emmerich vor dem Weißen Haus
Dirk Emmerich ist internationaler Korrespondent für RTL und n-tv und berichtet aus Washington.
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Idee zur Parade kam Trump 2017 in Frankreich

Es wird ein anderer 4th of July in diesem Jahr in Washington. Donald Trump jedenfalls hat es so geplant. Und so wird es nach der traditionellen und sehr bunten Unabhängigkeitsparade in den Mittagsstunden am Abend eine zweite Veranstaltung geben.

Am Lincoln Memorial wird Donald Trump eine einstündige Rede halten und die Stärke Amerikas in den Mittelpunkt stellen. Anschließend soll eine Militärshow mit dem Titel "Salute America" die Rede abrunden. Das Ganze wird ab 00:30 deutscher Zeit stattfinden. Eine richtig große Militärparade, wie sie ihm eigentlich vorschwebte, wird es jedoch nicht geben. Die war mit 92 Millionen Dollar zu teuer. Außerdem hatten die Stadtväter von Washington moniert, dass den Asphalt die geplanten Kettenfahrzeuge für die Parade schwer in Mitleidenschaft ziehen werde. Egal, dann eben eine Nummer kleiner.

Die Idee zu einer Parade kam ihm 2017. Da war er in Paris und der französische Präsident Macron zeigte ihm die pompöse Parade zum französischen Nationalfeiertag. So etwas wolle er künftig auch, am 4. Juli zum Independence Day in Washington. Kosten und Bedenken hin oder her.

Es wurden extra zwei Kampfpanzer nach Washington geschafft

The sun rises on the Lincoln Memorial hours before President Donald Trump s Salute to America Independence Day event honoring the military, Thursday, July 4, 2019, in Washington, D.C. Later today President Trump will hold an Independence Day rally fe
Die Vorbereitungen für Trumps Rede und die anschließende Militärshow in Washington laufen bereits.
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So wurden zu Beginn dieser Woche zwei Kampfpanzer per Zug aus Georgia nach Washington transportiert und auf Tiefladern zum Lincoln-Memorial gebracht, wo sie inzwischen Position bezogen haben, links und rechts der Bühne, auf der Trump dann am Abend reden wird. Im Anschluss an die Rede soll es dann die Militärshow geben. Die "besten Kampfflugzeuge der Welt" und auch die "Air Force One", mit der der US-Präsident immer unterwegs ist, sollen die National Mall überfliegen.

"Großartig, gigantisch, bombastisch"

Und dann gibt es da auch noch die Ankündigung, brandneues unglaubliches Militärgerät zu zeigen. Was das genau sein soll, wie es vorgeführt werden soll, ist noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall soll alles großartig, gigantisch, bombastisch werden. So wie Donald Trump sich selbst sieht. Und nach Sonnenuntergang soll es zum Höhepunkt des Tages - wie jedes Jahr - ein Feuerwerk geben. Nur dieses Mal besser, das größte Feuerwerk, das Washington je gesehen hat. Eine riesige amerikanische Flagge mit dem Schriftzug "USA" soll den Himmel erleuchten. 

Über 250.000 Menschen werden am Abend erwartet

An Army soldier cleans a Bradley Fighting Vehicle at the Lincoln Memorial prior to President Donald Trump s Salute to America Independence Day event honoring the military, Thursday, July 4, 2019, in Washington, D.C. Later today President Trump will h
Schweres Geschütz: Die Militärshow soll "großartig" werden.
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Washington und seine Bewohner nehmen das alles bislang ziemlich gelassen. Die Stadt hat sich an die Eskapaden dieses Präsidenten gewöhnt.

"Was soll das alles, es ist doch nichts weiter als unser Independence Day", sagt Charlotte. Und Jim: "Ausgerechnet hier, wo Martin Luther King 1963 seine große Rede I HAVE A DREAM gehalten hat." Beide sind Studenten an der George Washington University.

Ein paar Meter weiter schwenkt George aus Texas eine große Trump-Fahne. Viele ziehen kopfschüttelnd vorbei, aber nicht alle. Es gibt Gleichgesinnte, meist aber nicht aus Washington. Von der anderen Straßenseite ruft eine Gruppe "Make America Great Again". Wo kommt ihr her, fragt George. "Aus Kalifornien". Gut, dass ihr hier seid. Wir müssen dem Präsidenten zeigen, dass das Land hinter ihm steht.

Über 250.000 Menschen werden am Abend auf der National Mall erwartet. Ob sie wirklich alle zum Lincoln Memorial kommen oder ans andere Ende zum Kongress gehen, das wird der Abend zeigen. Dort findet wie jedes Jahr ein Konzert statt. Weit weg vom Lincoln Memorial und Donald Trump.