Tierschützer decken unfassbare Quälereien auf

Milchhof in Bayern: So sehr müssen Milchkühe dort leiden

10. Juli 2019 - 10:53 Uhr

Tierschützer filmen mit versteckter Kamera im Stall

"Eigentlich müssen die Menschen ab heute Milch mit anderen Augen sehen", sagt Friedrich Mülln von der Organisation "SOKO Tierschutz". Die Tierschutz-Ermittler haben auf einem Milchhof in Bayern unfassbare Tierquälereien dokumentiert. Die Organisation hat den Hof im Mai und Juni 30 Tage lang rund um die Uhr beobachtet. Ausschnitte aus den verstörenden Aufnahmen, die dabei entstanden sind, zeigen wir in unserem Video.

„SOKO Tierschutz“ dokumentierte schreckliche Szenen

Der Milchviehbetrieb Endres in Bad Grönenbach im Allgäu hält mehrere tausend Rinder. Es ist einer der größten Betriebe in Bayern. Doch wie die Tiere dort behandelt werden, lässt selbst den erfahrenen Tierschutz-Ermittler sprachlos zurück. "Wir haben eine Menge schreckliche Sachen gesehen, aber was beim Betrieb Endres dokumentiert wurde, macht fassungslos und wütend", meint Mülln im Interview.

"Eine Szene hat sich mir wirklich eingebrannt. Da sieht man eine Milchkuh, die offensichtlich nicht laufen kann", erzählt der Tierschützer. "Dann wird das Tier vom Betriebsleiter zigfach getreten, dann bittet er um einen spitzen Gegenstand und beginnt damit, brutal auf das Tier einzustechen."

„Milch ist untrennbar mit Leid von Tieren verbunden“

Milchkühe im Stallgebäude
Milchbauern sind mit kleinen Höfen kaum noch überlebensfähig. Viele setzen darum auf Massentierhaltung. (Foto: Motivbild)
© dpa, Holger Hollemann

Solche Quälereien kommen auf dem Hof laut "Soko Tierschutz" regelmäßig und systematisch vor. Verletzte und kranke Kühe werden einfach sich selbst überlassen und vegetieren tagelang ohne Wasser oder medizinische Versorgung vor sich hin. Andere Tiere, die eigentlich von ihrem Leid erlöst werden sollen, werden mit einem Bolzen in den Kopf geschossen und verenden dann qualvoll.

"Wenn ich dieses Material jetzt mal zusammenfasse, ist das ein unfassbares Maß an Tierquälerei, das ich selber nicht für denkbar gehalten hätte", erklärt Mülln. "Diese Aufnahmen zeigen: Milch ist untrennbar mit Leid von Tieren verbunden."

Das Problem ist die Massentierhaltung. "Heutzutage kann man als Milchbauer eigentlich nur überleben, wenn man wirklich auf Größe agiert – mindestens 250 Kühe, am besten 500, noch besser 1.000", weiß der Experte von "SOKO Tierschutz". "Das bedeutet Massentierhaltung mit allen Folgen, die man kennt."

Behörden ermitteln jetzt gegen den Milchhof

Milchprodukte im Supermarkt
Von außen kann man Milchprodukten nicht ansehen, ob dafür eine Kuh leiden musste. Experten fordern darum strengere Gesetze.
© picture-alliance/ dpa, Rolf Vennenbernd

Die Organisation zeigte die Zustände auf dem Hof beim Veterinäramt an. Der Betrieb wurde kontrolliert. Nach einer zweiten Kontrolle übernahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen, wie der bayerische Umwelt- und Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber auf RTL-Anfrage bestätigte. "Der Betrieb trägt die Verantwortung für die Tiere. Es besteht der dringende Verdacht, dass diese Verantwortung hier grob missachtet wurde", so Glauber.

Als Verbraucher kann man leider kaum etwas gegen solche Tierquälereien tun. Denn auch wenn man teuer Milchprodukte kauft, ist das keine Garantie dafür, dass es der Kuh auch wirklich gut geht. "Das Geld das beim Landwirt ankommt, ist häufig genau das gleiche", erklärt Andreas Winkler von Foodwatch. "Wir brauchen klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tierhaltung, für bessere Tiergesundheit", fordert der Experte. Zumindest die Firma Champignon, der Hauptkunde des Skandal-Hofs in Bayern, hat angekündigt keine Milch mehr vom Milchviehbetrieb Endres zu verarbeiten.