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Mieten & wohnen in Zeiten von Corona: Muss ich jetzt Angst vor einer Kündigung haben?

© dpa, Markus Scholz, wst

26. März 2020 - 15:02 Uhr

Was darf mein Vermieter verlangen?

Die Corona-Krise hat unseren Alltag mittlerweile deutlich verändert und stellt auch den Wohnungsmarkt vor neue Herausforderungen. Doch was sind die Folgen für Mieter? Kann man bei Zahlungsunfähigkeit jetzt einfach gekündigt werden und muss man noch umziehen, wenn man plötzlich an Corona erkrankt? Wir haben mit Siegmund Chychla, dem Vorsitzenden des Mietervereins Hamburg, gesprochen und ihm die wichtigsten Fragen gestellt.

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Ich kann meine Miete nicht mehr bezahlen, weil ich meinen Job wegen Corona verloren habe. Kann ich jetzt einfach gekündigt werden?

"Nein. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Mieter im Zeitraum zwischen dem 1. April und 30. Juni 2020 vor einer Kündigung geschützt sind. Chychla empfiehlt, dass betroffene Personen sofort das Gespräch mit ihrem Vermieter suchen sollten, um ihm die Situation zu erklären. Am besten schreibt man eine schriftliche Erklärung mit der Bitte um Zahlungsaufschub. Eine spätere Kündigung ist in dem Fall unwirksam."

Kann ich eine Mietminderung beantragen, wenn ich von Kurzarbeit betroffen bin?

"Es ist fraglich, ob der Vermieter bei einer Mietminderung zustimmen wird. Für Menschen, die aufgrund von Kurzarbeit finanzielle Probleme haben, gibt es aber auch eine andere Lösung: Sie können vorschlagen, erst einmal nur die Betriebskosten zu bezahlen und später die Nettokaltmiete. Das ist auch für den Vermieter sinnvoll, weil er diese Kosten nach wie vor bezahlen muss und dadurch selbst nicht zahlungsunfähig wird."

Wie sieht die Situation von Laden- und Restaurantbesitzern aus, die jetzt keine Einnahmen mehr haben?

"Für Gewerbemieter, wie zum Beispiel Club-, Laden- oder Restaurantbesitzer gelten dieselben Regeln wie für Wohnraummieter. Auch sie dürfen zwischen dem 1. April und 30. Juni 2020 nicht gekündigt werden." Chychla empfiehlt, auch in dem Fall das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen, damit er über die Situation Bescheid weiß.

Ich habe Angst vor einer Corona-Ansteckung und bleibe deshalb zuhause. Muss ich anderen den Zugang zu meiner Wohnung trotzdem gewähren?

"Nein. Der Mieter ist nicht dazu verpflichtet, jemanden in die Wohnung zu lassen, wenn es nicht dringend nötig ist. Das bedeutet, dass er zum Beispiel keine Besichtigungen oder den Termin eines Heizungsablesers akzeptieren muss. In Notfällen wie bei einem Rohrbruch sieht die Situation natürlich anders aus."

Ich habe Corona und muss am 31. März 2020 umziehen, weil mein Mietvertrag an dem Tag ausläuft. Muss ich jetzt noch taggenau ausziehen?

"Nein. In dem Fall darf man nicht dazu gezwungen werden auszuziehen. Der Vermieter wird in der Ausnahmesituation bestimmt auch Verständnis zeigen und darauf warten, bis der Mieter wieder gesund ist."

Muss ich jetzt Angst vor einer Mieterhöhung haben?

"Da das beschlossene Gesetz der Bundesregierung nichts dazu aussagt, ist eine Mieterhöhung theoretisch möglich." Chychla gibt jedoch Entwarnung und erklärt, "dass in Hamburg und Schleswig-Holstein solche Erhöhungen noch nicht beobachtet werden. Die Vermieter nutzen die aktuelle Situation somit nicht aus. Dennoch ist es noch zu früh, um einzuschätzen, was in Zukunft passieren wird."

Wie sieht die Situation von Rentnern und Hartz 4-Empfängern aus?

"Kurioserweise gelten sie gerade als die beliebtesten Mieter, weil sie sichere Einnahmen haben und ihre Miete somit weiterbezahlen können. Transferleistungen wie Arbeitslosengeld werden nämlich trotz der Corona-Krise weiterhin vom Staat bezahlt."

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