7. Juni 2019 - 11:54 Uhr

von Lauren Ramoser

"Wir beiden sind um die Welt gereist", erzählt die Australierin Michelle Bourke im Interview. Mit "wir" meint sie ihren Ehemann Paul – der ist allerdings vor drei Jahren an Krebs gestorben. Danach ist Michelle mit einem Pappaufsteller durch die Welt gereist. Was skurril klingt, ist eine zauberhafte Liebesgeschichte. Im Video erzählt sie, wie sie die Liebe zu ihm auch nach seinem Tod bewahrt.

Eine besondere Verbindung – über den Tod hinaus

Für beide ist es die zweite Ehe, als sich Paul und Michelle vor knapp 30 Jahren entscheiden, gemeinsam durchs Leben zu gehen. "Wir hatten sofort diese besondere Verbindung, als wir uns das erste Mal getroffen haben", erzählt die Witwe. Das hat sich auch in all den gemeinsamen Jahren nicht geändert.

Umso härter trifft Michelle die Krebs-Diagnose ihres Mannes. Er kämpft über ein Jahr gegen die tückische Krankheit, verliert trotz schlechter Prognose nie den Lebensmut. "Ich habe ihn gefragt, was er noch anstellen will mit seiner verbleibenden Zeit", erzählt Michelle. "Wir haben dann Geburtstage gefeiert und Zeit als Familie verbracht."

Paul im Kreise seiner Familie, kurz vor seinem Tod.
Das letzte Familienfoto mit Familienvater Paul.
© Michelle Bourke

Zwei Wochen vor seinem Tod fragt Paul seine Frau, was sie nach seinem Tod tun will. Sie erzählt ihm, dass sie reisen will. "Ich habe gesagt, dass ich etwas von ihm mitnehmen will und er fand das unheimlich komisch" erinnert sich Michelle. "Er hat mir nicht geglaubt, dass ich das wirklich mache."

„Das machst du sowieso nicht!“

Ein Jahr hat Michelle nach Pauls Tod gebraucht, um den Mut aufzubringen, tatsächlich loszufahren. Sie findet eine Firma, die den lebensgroßen Aufsteller herstellt und zusammengeklappt passt er sogar in ihr Handgepäck. "Seitdem sind nur Pappaufsteller-Paul und ich unterwegs", erzählt Michelle. "Oft habe ich Selfies gemacht, aber das war nicht immer einfach, weil der Pappaufsteller größer ist als ich."

Der Pappaufsteller zeigt Paul an ihrer Hochzeit. Michelle schaut ihn während des Interviews an und schmunzelt: "Er sieht gut aus! Deswegen reise ich gerne mit der jüngeren Version, dann fühle ich mich auch jünger."

Michelle Bourke und ihr Mann Paul als Pappaufsteller
Michelle und ihr Pappaufsteller-Paul im Hochzeits-Anzug.
© Michelle Bourke

Hilfe für andere

Immer wieder haben Menschen über sie gelacht, wenn sie mit ihrem Papp-Paul vor dem Stonehenge oder dem Buckingham Palast posierte, aber die meisten wollten die Geschichte hinter der ungewöhnlichen Idee hören. Damit konnte sie vielen sogar helfen.

"Indem ich meine Geschichte teile, kann ich zeigen, dass das Leben weitergeht", sagt Michelle. "Ob wir uns zusammenkauern, wenn unser Partner stirbt und aufgeben, oder weiterleben. Das Leben ändert sich und ich will das Beste daraus machen."

Wie lange sie noch mit Pappaufsteller-Paul um die Welt reist, weiß sie noch nicht. In wenigen Wochen reisen sie zusammen nach Asien. Und auch wenn Paul nicht mehr wirklich bei ihr ist, kommt diese Art der gemeinsamen Reise für Michelle nah dran. "Paul bleibt in Erinnerung, weil er als Pappaufsteller durch die Welt gereist ist und ich glaube, das hätte er wahnsinnig witzig gefunden."

Die Geschichte einer großen Liebe

Michelle hat ein Buch über ihr ungewöhnliches Versprechen geschrieben. "Travelling with Cardboard-Paul" heißt die Sammlung ihrer Geschichten, in der sie erzählt, welche Menschen sie auf ihrer ungewöhnlichen Reise kennengelernt hat und wie emotional andere auf ihr Schicksal reagiert haben.