Michel Abdollahi bekommt täglich Hilferufe wegen Rassismus

Michel Abdollahi steht beim "Best of Poetry Slam" auf der Stadtparkbühne. Foto: picture alliance / Georg Wendt/dpa/Archivbild
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10. März 2020 - 8:10 Uhr

Der Hamburger Journalist und Künstler Michel Abdollahi bekommt jeden Tag Zuschriften von Menschen, die von Rassisten angefeindet werden. "Ich bin 2019 geradezu erdrückt worden von Hilferufen, die mich tagtäglich erreicht haben", sagte der 38-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Die Nachrichten und Briefe kämen dabei "nicht nur von Migranten, sondern auch von Menschen, die Haltung zeigen und genauso angefeindet werden". Seiner Meinung nach sind diese Menschen in der Öffentlichkeit weitestgehend unsichtbar. Das sei einer der Gründe für sein Buch "Deutschland schafft mich - Als ich erfuhr, dass ich doch kein Deutscher bin" gewesen. "Ich möchte diesen Menschen einfach eine Stimme geben."

Bei den genannten Anfeindungen gehe es in der Regel nicht nur um kleine Kommentare in den sozialen Netzwerken. "Das sind Tätlichkeiten, das sind Angriffe, das sind Straftaten. Das hat Überhand genommen."

Er könne das Wort Einzelfall auch nicht mehr ertragen. Mit seinem Debüt will Abdollahi den Menschen auch vor Augen führen, dass terroristische Anschläge durch Rechte wie auf die Sishabar in Hanau, die Synagoge in Halle und die Ermordung von Walter Lübckes eben keine Einzelfälle sind. "Dann müssen die Menschen selber entscheiden, ob sie mir immer noch sagen wollen: "Stell dich mal nicht so an!""

Sein Buch richte sich an die gesamte Gesellschaft, die Freiheit und Demokratie beibehalten möchte. Und damit auch an die Zweifler. Mit besorgten Menschen könne man immer reden. "Mit wirklichen Rechtsradikalen oder Faschisten braucht man nicht zu reden. Das nützt überhaupt nichts. Da bin ich der Meinung, dass man sie aus der Gesellschaft ausgrenzen muss. Die wollen unsere Gesellschaft abschaffen."

Quelle: DPA