Mexiko-GP: Diskussion um uneinsichtigen Max Verstappen geht in die nächste Runde

1. November 2016 - 12:01 Uhr

Für Sebastian Vettel war das Formel-1-Rennen in Mexiko eine emotionale Berg- und Talfahrt: Erst überquerte er auf dem undankbaren 4. Platz das Ziel - stinksauer auf Max Verstappen, der kurz vor ihm abgewunken wurde. Dann durfte der Ferrari-Pilot nach einer Strafe gegen Verstappen doch noch mit zur Siegerehrung. Knapp drei Stunden später war er seinen Podiumsplatz dann doch wieder los, weil auch er durch die Rennkommissare bestraft wurde.

Das dürfte den Ärger von Vettel wieder entfachen, denn in die Situation, für die die Rennkommissare den viermaligen Champion mit einer Zeitstrafe von 10 Sekunden belegten, war er erst durch die einmal mehr umstrittene Fahrweise von Verstappen geraten. Der Red-Bull-Mann hatte sich vier Runden vor Schluss mit einem ebenfalls späten Manöver gegen einen Angriff Vettels verteidigt. Weil er sich dabei auch noch verbremste, verpasste er die Einfahrt in die folgende Kurve und kürzte über die Wiese ab. So blieb er vor Vettel.

Der viermalige Weltmeister feuerte via Funk wüste Beschimpfungen gegen Verstappen ab, die sich nochmals steigerten, als er mitbekam, dass Verstappen der Aufforderung seines Teams, Vettel Platz 3 zu überlassen, nicht nachkam. Einige Aussagen Vettels wurden weggepiept, auch den FIA-Rennleiter Charlie Whiting griff Vettel an.

Aber es kam noch ärger. Statt Vettel passieren zu lassen, versuchte Verstappen nun, den Ferrari-Piloten einzubremsen, um seinen nachfolgenden Teamkollegen Daniel Ricciardo in Schlagdistanz zu Vettel zu bringen. In der vorletzten Runde sah Ricciardo seine Chance, doch Vettel konterte und beide Autos touchierten sich. Mit ordentlich Wut im Bauch schickte der Ferrari-Star nach der Zieldurchfahrt deutliche Handzeichen in Richtung Verstappen.

Max Verstappen: Nur Sebastian fährt hart

Der Red-Bull-Pilot antwortete mit einer obszönen Geste - was zu seiner einmal mehr rüden Vorstellung beim Großen Preis von Mexiko passte. Denn vor dem Duell mit Vettel hatte Verstappen mit Harakiri-Aktionen zwei Mal fast das Rennen von WM-Spitzenreiter Nico Rosberg ruiniert - in beiden Fällen ging der Niederländer straffrei aus. Das Manöver im Duell gegen Vettel war seiner Meinung nach ebenfalls nicht strafwürdig. Schuldbewusstsein scheint der 19-Jährige nicht zu kennen. Mit seiner an Arroganz grenzenden Art auf und abseits der Strecke hat er es sich inzwischen mit fast dem gesamten Fahrerfeld verscherzt.

"Ich fahre nicht hart, nur Sebastian fährt hart", sagte Verstappen nach dem Rennen im RTL-Interview und riet Vettel, "vielleicht sollte er zurück in die Schule gehen und seine Sprachkompetenz verbessern". Zugleich verwies er darauf, dass Sieger Lewis Hamilton für ein mit seinem vergleichbaren Abkürzmanöver kurz nach dem Start nicht sanktioniert worden sei. "Es ist lächerlich", beschwerte sich Verstappen - nicht zu Unrecht.

Formel 1 nimmt Schaden

Tatsächlich war die Regelauslegung und -anwendung der FIA-Kommissare während des Mexiko-GP nicht immer nachvollziebar - was auch für die harte 10-Sekunden-Strafe gegen Vettel gilt. Die Stewards haben dem Sport damit einmal mehr einen Bärendienst erwiesen. Wenn Grand Prix auf diese Weise am grünen Tisch entschieden werden, trägt das nicht gerade zur Steigerung der Attraktivität der Rennserie bei.

"Jammerschade, dass so ein tolles Rennfinish durch so eine Entscheidung entwertet wird", kritisierte Red-Bull-Berater Helmut Marko nach dem Rennen die Strafe gegen seinen Schützling Verstappen. Eine Aussage, die auch in Bezug auf die Bestrafung Vettels ihre Gültigkeit hat.