34.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Metro verkauft Real: „Wir fühlen uns wie ein Unternehmen zweiter Klasse“

14. Februar 2020 - 19:59 Uhr

Real-Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs

Vor der Metro-Hauptversammlung protestieren Real-Mitarbeiter gegen den Verkauf ihrer Supermarktkette - was sie zu sagen haben, zeigen wir auch in unserem Video. Sie befürchten einen radikalen Stellenabbau. Auch Desiree Simon steht in einer gelben Warnweste und Trillerpfeife in der Hand vor dem Eingang der Stadthalle Düsseldorf. "Es geht um meinen Arbeitsplatz und ich will denen da drinnen zeigen, dass ich darum kämpfen werde", sagt die 40-Jährige aus Castrop Rauxel. Die da drinnen, das sind die Aktionäre der Metro-Gruppe.

30 Real-Standorte sollen geschlossen werden

Real-Mitarbeiter demonstrieren
Real-Mitarbeiter demonstrieren vor der Hauptversammlung der Metro AG gegen den Verkauf der Märkte.
© imago images/Olaf Döring, Olaf DÃ& ¡ring via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Desiree Simon ist Kassiererin bei der Supermarktketten Real, die zum Großhandelskonzern Metro gehört – noch. Denn das Unternehmen verkauft Real, um sich zukünftig nur noch auf das Geschäft mit Großhändlern zu konzentrieren. 277 Real-Märkte gehen für 300 Millionen an die Gesellschaften SCP Groups und X+Bricks. Doch die Käufer werden nicht alle Filialen weiterführen. Etwa 30 Real-Standorten droht das Aus, doch welche genau es treffen wird, ist unklar.

Deswegen demonstriert Desiree Simon zusammen mit etwa eintausend Real-Mitarbeitern aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vor der Düsseldorfer Stadthalle. Dort findet die diesjährige Metro-Hauptversammlung statt. "Seit eineinhalb Jahren quälen mich und meine Kolleginnen Existenzängste, weil niemand weiß, was aus uns wird", so Desiree Simon. Sie ist mit 13 Kollegen aus Castrop Rauxel um fünf Uhr morgens mit dem Bus losgefahren, um ihrem Unmut und Ängsten Luft zu machen.

Metro will sich von Tochter Real trennen

Auch Denise Schmidder, die in Grevenbroich an der Käsetheke arbeitet, hat sich auf den Weg gemacht. Auch sie plagen Zukunftsängste. "Ich gehe nur noch unmotiviert zur Arbeit und täglich sinkt meine Zuversicht, dass doch noch alles gut wird".

Rund 250 Millionen Euro hat Real allein im vergangenen Jahr an Geld verbrannt. Für Metro-Chef Koch einer der Gründe, sich von der defizitären Tochter zu trennen. "Wir können dieses Geschäft nicht weiter tragen", sagt er vor den Aktionären. Denise Schmidder überzeugt das nicht. "Am Ende des Tages muss auch ich meine Miete und Rechnungen bezahlen. Ohne Job geht das nicht."

Real-Filialen sollen an andere Supermarktketten weiterverkauft werden

Real-Mitarbeiter demonstrieren vor der Hauptversammlung der Metro AG gegen den Verkauf der Märkte
Die Real-Mitarbeiter wissen noch nicht, was aus ihren Jobs wird.
© imago images/Olaf Döring, Olaf DÃ& ¡ring via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Was aus den insgesamt 34.000 Beschäftigten wird, ist völlig unklar. Ein Großteil der 277 Realfilialen soll an Wettbewerber wie Rewe, Kaufland und Edeka verkauft werden. Für 50 Märkte gibt es eine Garantie, dass sie mindestens zwei Jahre lang weiterbetrieben werden. Märkte mit großen Verkaufsflächen könnten aufgeteilt werden. Knapp 30 Standorte werden jedoch verschwinden.

Die Supermarktkette passt nicht mehr zur Gesamtstrategie der Metro. Großhändler, digitale Angebote für professionelle Gastronomen und Servicedienstleistung stehen im Mittelpunkt von Olaf Kochs neuer Konzernausrichtung. Aktuell sucht er auch noch einen Käufer für das China-Geschäft. Durch die Verkäufe von Real und der China-Sparte erhofft sich der Konzern Nettoeinnahmen von etwa 1,5 Milliarden Euro.

„Bei uns im Markt arbeiten überwiegend Frauen im Alter von 40 aufwärts"

Supermarktkette Real
Viele Real-Mitarbeiter sorgen sich um die Zukunft, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht.
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve wst

An diesem nasskalten Morgen ist auch Dennis Walter unter den Demonstranten. Der 27-jährige Verkäufer der Elektroabteilung aus dem Real-Markt Castrop-Rauxel sorgt sich zwar auch um seine Zukunft, vielmehr denkt er aber an seine Kolleginnen.

"Bei uns im Markt arbeiten überwiegend Frauen im Alter von 40 aufwärts. Ich bin jung und kann schnell eine neue Stelle finden. Bei denen ist es aber schwieriger". Und obwohl Metro im vergangenen Jahr seine Unternehmensziele erreicht und einen Umsatz von 29,9 Milliarden Euro eingefahren hat, wirft Dennis Walter der Unternehmensführung Missmanagement vor. "Wir fühlen uns wie ein Unternehmen zweiter Klasse, das man nur noch loswerden will".

Desiree Simon hat die Hoffnung auf einen guten Ausgang des Real-Verkaufs für sich und ihre Kolleginnen noch nicht aufgegeben. "Ich habe in Castrop-Rauxel meine Lehre gemacht und arbeite seit 23 Jahren dort", so Simon, "es wird hoffentlich weitergehen, nur wie, dass wird sich erst in einigen Monaten zeigen".