#metoo: Jede 2. Frau wurde schon einmal Opfer sexueller Belästigung - warum wird kaum darüber geredet?

19. Oktober 2017 - 8:27 Uhr

Witze über #metoo auf Twitter

Es passiert eigentlich überall - am Arbeitsplatz, in der U-Bahn oder auf Partys: Menschen werden Opfer von sexuellen Übergriffen, die meisten von ihnen sind Frauen. Sie sind scheinbar alltäglich. Das zeigt sich vor allem, seitdem Schauspielerin Alyssa Milano mit dem Hashtag #metoo zu einem öffentlichen Bekanntnis aufgerufen hat. Seitdem quellen die sozialen Netzwerke über. Me too - ich auch! Das Eingeständnis, selbst schon einmal Opfer geworden zu sein, hat etwas Erlösendes. Denn auch wenn jede zweite Frau in Deutschland schon einmal sexuell belästigt wurde - geredet wird kaum darüber. 

Opfer suchen die Schuld oft bei sich selbst

Johanna Mayer war gerade 17 und machte eine Ausbildung, als es anfing. Sie machte Kampfsport. Einer ihrer Kollegen wollte Tricks von ihr sehen. Er umklammerte sie und wollte von ihr wissen, wie man sich in so einer Situation verteidigt. "Später ist rausgekommen, dass der selbst Kampfsport macht und das nur genutzt hat, um an mich ranzukommen", erzählt sie. Doch damit fing alles erst an. Ein anderer Kollege versuchte, ihr den BH zu öffnen. Ein Dritter griff ihr bei einer Umarmung unter das T-Shirt und in die Hose.

Erst nach dieser massiven Belästigung wurde Johanna aktiv. Warum nicht schon früher? So wie wie ihr geht es vielen Frauen. Nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Doch während Frauen in anderen Ländern unterdrückt werden, ist es auch hierzulande noch immer schwierig für Opfer, darüber zu reden.

"Ich habe die Schuld immer bei mir selbst gesucht", erklärt Johanna ihr spätes Eingreifen. "Nie bei den anderen. Für mich war immer ich schuld." So wie ihr geht es vielen Opfern. Schuldgefühle und Scham vergrößern die Hemmschwelle, über das Erlebte zu reden.

Auch auf Twitter werden unter dem Hashtag #metoo Witze über das Thema gerissen:

Wo fängt sexuelle Belästigung an?

Ist Deutschland im Jahr 2017 vielleicht doch nicht so emanzipiert, wie es glaubt zu sein? Es sind Kommentare wie diese, die einen Teil unserer Gesellschaft widerspiegeln. Und die es Opfern schwieriger machen, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Die dazu führen, dass sie sich selbst fragen: Bin ich vielleicht nur zu empfindlich? Denn wo fängt sexuelle Belästigung eigentlich an? "Sexuelle Belästigung fängt da an, wo ein ungutes Gefühl durch ein sexuell motiviertes Verhalten entsteht. Die Betroffene definiert den Beginn der Belästigung", sagt Marie Noe, Sozialpädagogin gegen sexualisierte Gewalt an Frauen.

Es ist eine gesellschaftliche Debatte, die mit dem Hashtag #meetoo angestoßen wurde. Es geht um Respekt. Und darum, wie wir alle miteinander leben wollen.