Meteorologen: "Klimawandel findet jetzt statt"

Der Klimawandel ist in vollem Gange. Trockenheiten nehmen zu, sintflutartige Regenfälle ebenfalls.
© dpa, Hinrich Bäsemann

06. April 2012 - 15:43 Uhr

Klimawandel setzt sich fort - trotz des kühlenden La-Niña-Effekts

Geht es um unser Klima und die Erderwärmung wird häufig der Spruch "es ist 5 vor 12" benutzt. Doch der ist nicht nur reichlich abgedroschen - er ist auch nicht mehr richtig, denn die Uhr ist schon wieder einige Minuten weiter gelaufen.

Nach Erkenntnissen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) setzt sich der Klimawandel schnell und drastisch weiter fort. Das Jahr 2011 war nach Auskunft der Wissenschaftler seit Beginn der Aufzeichungen 1850 das wärmste Jahr mit einem kühlenden La-Niña-Effekt.

Am 23. März, dem Welttag der Meteorologie, veröffentlichte die WMO in Genf schockierende Zahlen. Messungen zeigen, dass "der Klimawandel jetzt stattfindet und nicht eine Gefahr in irgendeiner fernen Zukunft ist", warnte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud.

"Nicht rückgängig zu machen"

"Die Welt erwärmt sich aufgrund menschlicher Aktivitäten, und das hat weitreichende und potenziell nicht rückgängig zu machende Auswirkungen auf unsere Erde, die Atmosphäre und die Ozeane", sagte Jarraud. Ohne Berücksichtigung des derzeit wirkenden Wetterphänomens La Niña, das im Gegensatz zu einem El-Niño-Ereignis nicht für Erwärmung, sondern für Abkühlung sorgt, sei 2011 das elftwärmste Jahr seit 1850 gewesen.

Die WMO legte am Freitag zugleich eine Zusammenfassung von als noch "vorläufig" eingestuften Erkenntnissen vor, wonach sich die globalen Klimaveränderungen seit Beginn dieses Jahrtausends weiter beschleunigt haben. So seien die Jahre 2001 bis 2010 "die wärmste Dekade, die jemals auf allen Kontinenten der Erde registriert wurde".

Die Zunahme der Temperaturen seit 1971 sei den vorläufigen Erkenntnissen zufolge "außergewöhnlich". Laut WMO ist das derzeitige La Niña-Phänomen eines der stärksten der vergangenen 60 Jahre. Es hält seit Ende des Jahres 2010 an, das von der WMO als das bislang wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen eingestuft wurde. Experten gehen von einer längeren La-Niña-Phase aus, die 2012 möglicherweise noch stärker ausfallen könnte als 2011. Bei La Niña erwärmt sich im Westpazifik die Meeresoberfläche, gleichzeitig kühlt sich das Wasser im Ostpazifik vor der südamerikanischen Küste ab.