Nach Affäre um Erdogan-Foto

Özil tritt gegen Nationalelf nach: „Jeder hat es geschehen lassen“

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17. Oktober 2019 - 13:33 Uhr

Arsenal-Star verteidigt sich

Für Mesut Özil steht weiterhin außer Frage, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat, sein folgenreiches Foto mit Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan sei kein Fehler gewesen, sagte er nun dem Magazin "The Athletic". Stattdessen kritisiert der 31-Jährige das Verhalten seiner damaligen Mitspieler in der Nationalmannschaft.

Özil fehlte Schutz und Respekt

Mehr als ein Jahr nach seinem viel kritisierten Foto mit Erdogan und dem Abschied aus der Nationalmannschaft ist sich Mesut Özil noch immer sicher, richtig gehandelt zu haben. Seine Kritik richtet sich stattdessen gegen das DFB-Team.

"Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr respektiert, nicht mehr geschützt gefühlt", erinnert sich Özil und erklärt: "Jeder hat es geschehen lassen." Aus seiner Sicht gab es für ihn vergangenes Jahr nur zwei Optionen: "Ich habe das Gefühl gehabt, dass man eine Entschuldigung von mir erwartet, dass ich zugebe, dass es ein Fehler war. Dann wäre alles wieder gut gewesen. Wenn nicht, wäre ich nicht mehr willkommen gewesen."

Außerdem sagt Özil über das Foto: "Rassismus war immer da, aber diese Situation wurde von diesen Menschen als Entschuldigung dafür genutzt, ihn auszuleben."

"Musste meinem Herzen folgen“

Eine Entschuldigung wäre für ihn jedoch "niemals" in Frage gekommen. "Erdogan ist der amtierende Präsident der Türkei. Und ich würde dieser Person immer meinen Respekt erweisen, egal, wer sie ist", untermauerte Özil.

"Es geht einfach darum, dem höchsten Amt eines Landes Respekt zu zollen. Mit etwas Abstand weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war." Mit seinem Aus bei der Nationalelf hat Özil offenbar keinerlei Probleme: "Ich musste meinem Herzen folgen."

Özil-Aussagen zu schwierigem Zeitpunkt

Der deutsche Profi mit türkischen Wurzeln äußert sich in einer schwierigen Phase zu der damaligen sportpolitischen Diskussion.

Aktuell stehen türkische Nationalspieler für ihren Militärjubel scharf in der Kritik. Sie solidarisieren sich dadurch mit den türkischen Truppen, die beim Militärangriff in Nordsyrien im Einsatz sind. Die UEFA ermittelt gegen den türkischen Verband.

Özil will bei Arsenal bleiben

Neben seinem Rückblick auf die Geschehnisse des vergangenen Jahres, nimmt Özil auch Stellung zu seiner aktuellen Position beim FC Arsenal. Der 31-Jährige will den Verein auf keinen Fall vorzeitig verlassen – obwohl sein Stammplatz derzeit auf der Tribüne liegt.

"Ich besitze einen Vertrag bis 2021 und bis dann werde ich auch bleiben", so Özil, der sich kämpferisch gibt: "Es kann schon mal schwierige Zeiten geben, aber das ist kein Grund zu fliehen. Wenn mich die Leute auf der Straße ansprechen, sage ich immer: Dies ist mein Zuhause. Ich gehe nirgendwo hin."