Entschuldigung unter Tränen

Messerstecher von Nürnberg: „Ich bin durch Nürnberg gelaufen, als sei ich ferngesteuert“

© dpa, Daniel Karmann, dka htf

19. September 2019 - 11:50 Uhr

Prozess gegen sogenannten "Ripper von Johannis" beginnt

Niemand kam zu Tode, aber die Taten sorgten für blankes Entsetzen: Ein Mann stach im Dezember im Nürnberger Stadtteil Johannis völlig ohne erkennbaren Grund auf drei Frauen ein. In den Medien wurde der Mann daher "Ripper von Johannis" genannt. Heute beginnt der Prozess gegen den 39-jährigen Lageristen Daniel G.. Die Taten hat er gestanden, ein Motiv gibt es bisher nicht. RTL-Reporterin Michaela Johannsen beobachtet den Prozess.

"Ich würde das gerne wieder rückgängig machen"

Der Angeklagte hat sich zu Beginn des Prozesses bei seinen Opfern entschuldigt.
Der Angeklagte hat sich zu Beginn des Prozesses bei seinen Opfern entschuldigt.
© dpa, Daniel Karmann, dka htf

"Ich weiß nicht, wie das passiert ist, keine Ahnung, ich versteh' das selber nicht", sagt der Mann zu Prozessbeginn und beginnt zu weinen. Daniel G. kann erstmal nicht mehr weitersprechen. "Ich bin dann durch Nürnberg gelaufen, ich weiß nicht, als wäre ich wie gesteuert. Ich bin kein Typ, der normalerweise so etwas zustande bringt." Er schildert unter Tränen, wie er an einem Mädchen vorbeigelaufen ist und ihr dann in den Rücken gestochen hat.  Einen besonderen Hass auf Frauen habe er nicht, sagt er, selber Vater einer Tochter.

Es folgt eine Entschuldigung: "Was bin ich den drei Frauen schuldig? Ich würde das gerne wieder rückgängig machen, ich gehe lebenslänglich in Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung."

Im Gericht wird das Video der Polizeivernehmung gezeigt. Daniel G. schaut nicht hin, er blickt zu Boden, zeigt keinerlei Reaktion, beobachtet RTL-Reporterin Michaela Johannsen. "Es ist schwer einzuschätzen, wie sehr ihn seine Taten beschäftigen und ob er sie bereut".

Alle drei Opfer überlebten nur durch schnelle Hilfe und Notoperationen

Dem damals obdachlosen Mann wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord in drei Fällen vor. Die Opfer überlebten nur durch schnelle ärztliche Hilfe und Notoperationen. Der Verdächtige wurde einen Tag später festgenommen. Unmittelbar vor der Tat soll er eine Flasche Schnaps und ein Messer gestohlen haben, vor Gericht sagt er aus, dass er leicht angetrunken gewesen sei.

Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Am ersten Verhandlungstag sollen die Opfer zu Wort kommen. Ein Urteil könnte Mitte Oktober fallen.