Messe in Hannover: Femen-Aktivistinnen attackieren Merkel und Putin

08. April 2013 - 20:44 Uhr

'Fuck dictator' auf die Brust geschrieben

Schrecksekunde für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Industrieschau in Hannover: Beim Messe-Rundgang stürmten plötzlich zwei barbusige Frauen auf die beiden Führungsoberhäupter zu. Erst in letzter Sekunde konnten Bodyguards die Aktivistinnen der Gruppe Femen stoppen.

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Aktivistinnen der Gruppe Femen demonstrierten bei der Messe in Hannover für die Frauenrechte in Russland.
© dpa, Jochen Lübke

Auf ihre entblößte Brust hatten die Demonstrantinnen 'fuck dictator' geschrieben. Die Gruppe kämpft mit ihren Nackt-Protesten für die Rechte der Frauen in Russland. Die Frauen wurden anschließend von der Polizei festgenommen.

Putin reagierte gelassen auf die Aktion empfand sogar Gefallen daran. "Ohne eine solche Aktion würde man weniger über eine solche Messe sprechen als mit einer solchen Aktion", erklärte er. "Ich sehe darin nichts Schreckliches."

Merkel verwies zwar auf die Demonstrationsfreiheit, kritisierte aber die Protestform. "Ob man in Deutschland zu einer solchen Notmaßnahme greifen muss und nicht anderweitig auch seine Meinung sagen kann, da habe ich meine Zweifel", sagte sie.

Aber die Kanzlerin übte auch Kritik an Putin. Sie forderte ihn auf, die Arbeit ausländischer Stiftungen und von Nichtregierungsorganisationen nicht weiter zu stören. "Natürlich ist es eine Störung und ein Eingriff, wenn Festplatten einfach kontrolliert werden, obwohl die Arbeit dieser Stiftungen nach unserer Kenntnis sehr ordnungsgemäß ist." Eine lebendige Zivilgesellschaft könne nur entstehen, wenn solche Organisationen ohne Angst arbeiten könnten.

Putin ist gnädig

Bei den Aktivistinnen handelte es sich laut einer Polizeisprecherin um zwei Deutsche, zwei gebürtige Ukrainerinnen und eine gebürtige Russin. Gegen sie werde nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuches wegen Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten ermittelt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt: Die Justiz verfolgt die Ermittlungen nur dann weiter, wenn der Beleidigte dies wünscht.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte dazu: "Niemand von russischer Seite hat Deutschland in irgendeiner Weise gebeten, die Aktivistinnen der Bewegung 'Femen' zu bestrafen." Zwar sollte 'Rowdytum' grundsätzlich strafbar sein. "Das sind jedoch nicht unsere Rowdys - es ist nicht an uns, sie zu bestrafen."

Im Unterschied zu bisherigen Attacken dürften vulgäre Äußerungen der selbst ernannten 'Sextremistinnen' der Gruppe 'Femen' diesmal in Putins Heimat wohl nicht zitiert werden - wegen eines gerade in Kraft getretenen Gesetzes. Danach können Kraftausdrücke in russischen Medien mit bis zu umgerechnet 5.000 Euro bestraft werden.