Mesale Tolu: Prozess gegen inhaftierte Deutsche in der Türkei beginnt

Anwältin befürchtet unfaires Verfahren gegen Mesale Tolu

Mesale Tolu, Deniz Yücel, Peter Steudtner - diese drei Fälle stehen beispielhaft für jene Deutschen, die in der Türkei inhaftiert sind. Mesale Tolu wird nun als erste von ihnen vor Gericht gestellt. Ihre Anwältin glaubt nicht an ein faires Verfahren.

Mesale Tolu drohen bis zu 20 Jahre Haft

Mehr als fünf Monate nach Mesale Tolus Festnahme beginnt der Prozess gegen die in der Türkei inhaftierte deutsche Journalistin und Übersetzerin. Die 33-Jährige gehört zu einer Gruppe von 18 Angeklagten, denen Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in der linksextremen MLKP vorgeworfen wird. Nach Angaben von Tolus Anwältin Kader Tonc drohen ihrer Mandantin in dem Verfahren vor dem Gericht in Silivri westlich von Istanbul bis zu 20 Jahre Haft.

"Man möchte sich an der politischen Opposition und der Presse mit den zu fällenden Urteilen rächen"

Die Bundesregierung fordert die Freilassung Tolus und von mindestens zehn weiteren Deutschen, die in der Türkei derzeit aus politischen Gründen inhaftiert sind. Namentlich bekannt von diesen mindestens elf Bundesbürgern sind Tolu, der 'Welt'-Korrespondent Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner, gegen den die türkische Staatsanwaltschaft jüngst Anklage erhoben hat. Tolu-Anwältin Tonc sagte der Zeitung 'Neues Deutschland' kurz vor Prozessbeginn, sie glaube nicht an ein faires Verfahren. "Man möchte sich an der politischen Opposition und der Presse mit den zu fällenden Urteilen rächen."

Schon die Inhaftierung Tolus sei "aus politischen Gründen" erfolgt. Die Vize-Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Heike Hänsel, kündigte an, an dem Prozess gegen Tolu als Beobachterin teilzunehmen. "Mesale Tolu - genauso wie Deniz Yücel, Peter Steudtner sowie zahlreiche weitere willkürlich Verhaftete - ist nichts anderes als eine Geisel von Präsident Recep Tayyip Erdogan", sagte Hänsel. "Deshalb ist kein rechtsstaatliches Verfahren zu erwarten."

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Mesale Tolus Vater hofft auf Freispruch durch ein unabhängiges Gericht

Tolus Vater Ali Riza Tolu sagte der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul am Dienstag: "Ich werde morgen mit der Hoffnung zum Gericht gehen, dass meine Tochter aus dem Gefängnis entlassen wird." Der 58-Jährige fügte hinzu: "Ein unabhängiges Gericht wird meine Tochter freisprechen und sagen, dass es sich um einen Irrtum gehandelt hat."

Tolu besitzt nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie wurde in Ulm geboren und hat ihren Hauptwohnsitz in Neu-Ulm. Tolu arbeitete als Journalistin und Übersetzerin für die linke Nachrichtenagentur 'Etha'. Deren Internetseite ist in der Türkei zwar gesperrt. Etha ist bislang aber - anders als zahlreiche andere regierungskritische Medien in der Türkei - nicht verboten worden.

Tolu war am 30. April festgenommen worden, als Polizisten einer Anti-Terror-Einheit ihre Wohnung stürmten. Ihr Ehemann Suat Corlu war bereits zuvor ebenfalls unter Terrorverdacht inhaftiert worden. Er gehört nicht zu den 18 Angeklagten dieses Prozesses. Mesale Tolu hat ihren zweijährigen Sohn bei sich im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy.

"Die Spezialeinheit der Polizei hat nicht nur die Waffe auf meinen Sohn gerichtet, sondern sie haben mich auch noch vor den Augen meines Kindes gewaltsam festgenommen," schildert sie die traumatischen Ereignisse. Am ersten Prozesstag wies sie alle Vorwürfe vor Gericht zurück, forderte einen Freispruch und ihre Freilassung. Die Anklage sei eine Farce - so sieht es auch die Bundesregierung. Beobachter fürchten, dass Tolu oder auch der Welt-Korrspondent Deniz Yücel sowie der Menschenrechtsektivist Peter Steudtner keinen fairen Prozess bekommen.