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Merkels Flüchtlingspolitik kann Junge Union nicht überzeugen

Merkels Flüchtlingspolitik kann Junge Union nicht überzeugen

Von Hero Warrings

Applaus gibt es für Angela Merkel beim Deutschlandtag der Jungen Union, aber auch viele kritische Fragen zur Flüchtlingspolitik. Die Kanzlerin gibt sich Mühe. Doch die meisten Nachwuchspolitiker halten es in der Krise eher mit der CSU.

Merkel kann Junge Union nicht überzeugen
Gegen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin regt sich nun auch Widerstand in der Jungen Union.
dpa, Christian Charisius

Stehende Ovationen, frenetischer Jubel und rhythmisches Klatschen am Ende einer mitreißenden Rede über Flüchtlingspolitik. Nur steht auf dem Podium nicht Angela Merkel. Auf der Bühne jn Hamburg lässt sich CSU-Mann Andreas Scheuer feiern.

Der bestens gelaunte CSU-Generalsekretär steht nach seiner Ansprache neben dem Vorsitzenden der Jungen Union (JU), Paul Ziemiak, und lächelt verschmitzt. Der Bayer hat die Zuhörer auf dem Deutschlandtag der Jugendorganisation von CDU und CSU auf seiner Seite. Er will, was Horst Seehofer will: Transitzonen, schnellere Abschiebungen und Obergrenzen.

Eine Höchstgrenze für Flüchtlinge will die JU nun auch. Ein Antrag dazu soll an diesem Sonntag verabschiedet werden. "250.000 Flüchtlinge sind jährlich in Deutschland bewältigbar", sagt JU-Chef Ziemiak. Die Jugendorganisation probt den Aufstand gegen Merkel.

Offene Worte bei Whatsapp

Angela Merkel spricht vor der Jungen Union in Hamburg.
Angela Merkel spricht vor der Jungen Union in Hamburg.
dpa bildfunk

Die Delegierten der JU bewundern die CDU-Vorsitzende für ihre Arbeit, hoffen aber, dass die Kanzlerin jetzt das Richtige in Flüchtlingsfragen in die Wege geleitet hat. Allerdings sind nur wenige aus der Nachwuchsorganisation wirklich davon überzeugt. Wenn sich die JU-Mitglieder heute für eine politische Richtung in der Union entscheiden müssten, wäre eine deutliche Mehrheit beim Flüchtlingsthema auf Seiten der CSU.

Merkel war am Freitagabend in ihre Geburtsstadt gekommen, um Antworten zu geben. Sie redete länger als geplant, beantwortete geduldig und präzise die Fragen der JU'ler. Als die CDU-Chefin den Saal durchschreitet, wird sie mit kräftigem und langanhaltendem Applaus begrüßt. Die jungen Leute sind eben gut erzogen. In ihrer Rede betont Angela Merkel mehrfach die Würde jedes Menschen und zieht historische Vergleiche zu großen Herausforderungen. Und will um Verständnis werben. Auch Adenauer oder Kohl hätten sich gegen starke Widerstände durchsetzen müssen. Nach dem Krieg seien zwölf Millionen Vertriebene in ein zerstörtes Deutschland gekommen. Das habe man alles geschafft. Und oftmals hätte die Geschichte denen, die sich durchgesetzt hatten, recht gegeben. Diese Hoffnung möchte Merkel auch den Delegierten der Jungen Union vermitteln.

Merkel wirbt hoch konzentiert für ihre Vorhaben. Syrische Flüchtlinge in Lagern an der türkischen Grenze halten, unberechtigte Asylbewerber schneller abschieben, keine Höchstgrenze für Flüchtlinge und gerechtere Verteilung innerhalb Europas. "Und Transitzonen müssen wir auch nutzen können, ich werde nicht ruhen und rasten bis wir die Sozialdemokraten davon überzeugt haben."

Doch die Jugendlichen sind schwer zu überzeugen, bei der Fragerunde wird der Kanzlerin offen die Meinung gesagt. "Wir wollen hier in einigen Jahren keine No-Go-Areas", sagt ein JU'ler mit Blick auf die Flüchtlinge und mögliche gesellschaftliche Veränderungen. "Ich verstehe Ihre Ungeduld", antwortet Merkel, "ich will keine Lösung präsentieren, die Sie drei Tage lang fröhlich stimmt." Und Merkel fügt hinzu: "Die Zahl der Menschen, die wir mit einem abgelehnten Asylbescheid zurück geführt haben, war viel zu gering."

Nach Rede und Fragerunde verlässt Merkel unter höflichem Applaus die Bühne. Zurück bleiben junge Menschen, die glauben, dass viele Spitzen-Politiker in Berlin nicht wissen, wie ihre Welt aussieht. Offiziell möchte es keiner laut sagen. Doch in Whatsapp-Gruppen diskutieren sie seit Monaten heftig mit einander – über Politik und Lösungen. Einer sagt: "Wir erleben mehr als einmal, wie deutsche Kinder von Mitschülern mit Migrationshintergrund 'du deutsches Opfer' genannt werden, wie junge Frauen mit Rock von arabischstämmigen Männern als 'Nutte' beschimpft werden. Das reicht schon und kann doch nicht noch zunehmen." Eine andere Delegierte schiebt hinterher, "nur weil man unsere Wirklichkeit beschreibt und ausspricht, sich Sorgen um die Gesellschaft hierzulande macht, ist man noch lange kein Ausländerfeind". Die Kanzlerin wisse nicht wirklich, "was bei Jugendlichen in Deutschland abgeht, sie muss uns ernst nehmen".

Merkel hatte in ihrer Rede auch betont, dass sich Asylbewerber an deutsche Werte und Gesetze halten müssten, wenn sie hier leben wollten. Kräftiger Applaus für Merkel – aber nicht so kräftig wie bei Andreas Scheuer.