Ernüchterung nach drei Wochen Lockdown

Merkel will Corona-Einschränkungen verlängern

Mehr Maske, mehr Lockdown. Keine Lockerung in Sicht. Bund und Länder basteln an einer Corona-Strategie für den Winter.
© dpa, Sebastian Gollnow, scg vco

20. November 2020 - 16:27 Uhr

Neuer Rekord, was nun?

23.648 neue Fälle, die Zahl sitzt! Ein Spitzenwert an Neuinfektionen und das nach drei Wochen Lockdown. An dessen Ende es eigentlich unter die berühmte 50er-Inzidenz gehen sollte – also unter 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage. Davon ist das Land himmelweit entfernt. Laut RKI liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 139. Frust macht sich bei Behörden, Bürgern und in der Politik breit. Denn mit Lockerungen ist nicht zu rechnen, im Gegenteil: Strengere Auflagen sind im Gespräch.

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Lage stabil, aber es reicht nicht

Dabei könnte man meinen, dass die Zahlen zwar hoch, aber beständig sind. Vom weiteren starken – exponentiellen – Anstieg ist nichts zu sehen. Dennoch sind tägliche Neuinfektionen zwischen 15.000 und 23.000 immer noch zu viel, auf Dauer führt das zur Überlastung der Krankenhäuser, wie SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach auf Twitter anmerkt: "Die 20-25 Prozent freien Intensivbetten sind so schnell belegt. Der Wellenbrecher-Shutdown muss ergänzt werden."

Lockdown vor der Verlängerung

Am nächsten Mittwoch wollen die Ministerpräsidenten der Bundesländer und die Bundeskanzlerin das weitere Vorgehen beraten und Beschlüsse fassen. Die Bundesländer wollen diesmal die Vorschläge dazu erarbeiten. Armin Laschet zum Beispiel ist schon mit dem Vorschlag von schärferen Kontaktbeschränkungen vorgeprescht. Derzeit sieht es danach aus, dass die Schließung etwa von Restaurants und Kultureinrichtungen verlängert und neue Auflagen in Schulen verhängt werden. Der Einzelhandel soll aber offen bleiben. Schließlich steht das Weihnachtsgeschäft auf dem Spiel.

Merkel wieder ganz streng

Dabei war es in der Corona-Krise stets Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich für noch schärfere Einschränkungen stark gemacht hat. So ist es offenbar auch diesmal. Merkel will nichts weniger als den Lockdown bis Januar verlängern. Sie strebt angeblich eine Corona-Strategie für den Winter an. So äußerte sie sich jedenfalls laut "Bild-Zeitung" in der Unions-Bundestagsfraktion. Ausnahmen – "ein gewisses Maß an Freiheit" - soll es nur an Weihnachten geben. Silvester soll damit aber wieder Schluss sein. Dann "dürfe nicht wieder alles eingerissen werden". Feiern, Böllern, gute Laune sollten nach Merkel besser ausfallen.

Hohe Mobilität im Stillstand

Ein weiterer Umstand könnte Merkel auch übel aufstossen: Trotz Lockdown, geschlossener Gastronomie und Appellen zur Kontaktvermeidung sind die Deutschen sehr umtriebig. Während des ersten Lockdowns blieben sie viel mehr bei sich Zuhause. Ihre Mobilität sank in den Monaten März und April um 40 Prozent, in Großstädten gar um 53 Prozent. Anders im November. Im Vergleich zum Oktober verließen die Menschen ihre Städte oder Landkreise um knapp 20 Prozent seltener. Innerhalb des Kreises änderte sich kaum etwas, hier ging die Mobilität gerade mal um sieben Prozent zurück. Das haben Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität ermittelt und fragen sich, muss hier auch nachgesteuert werden?

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