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Merkel sprach von "Krieg" in Afghanistan

Merkel sprach von "Krieg" in Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einem Truppenbesuch in Kundus den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr als "Krieg" bezeichnet
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei einem Truppenbesuch in Kundus den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr als "Krieg" bezeichnet
dpa, Kugler

Tod eines deutschen Soldaten überschattete Besuch

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrem überraschenden Truppenbesuch in Nordafghanistan deutlich wie nie zuvor von einem "Krieg" am Hindukusch gesprochen. Vor Journalisten im Bundeswehr-Feldlager in Masar-i-Scharif sagte die Kanzlerin: "Wenn man sich mit der Realität unserer Soldaten befasst, ist das eben in der Region Kundus so, dass sie in wirklichen Gefechten stehen - so wie Soldaten das in einem Krieg tun. (...) Ich finde, das sollte man beim Namen nennen."

Die Kanzlerin sagte weiter: "So etwas kannten wir seit dem Zweiten Weltkrieg nicht. Wir haben uns das von unseren Eltern und Großeltern erzählen lassen." Vor dem Besuch in Masar-i-Scharif war Merkel bereits im deutschen Feldlager in Kundus gewesen. Dort hatte sie sich vor der Truppe ähnlich geäußert. "Wir haben hier nicht nur kriegsähnliche Zustände, sondern Sie sind in Kämpfe verwickelt, wie man sie im Krieg hat", sagte sie vor mehreren hundert Soldaten. "Das ist für uns eine völlig neue Erfahrung."

Der erste Truppenbesuch Merkels in Afghanistan seit April 2009 wurde vom Tod eines deutschen Soldaten überschattet, der kurz vor dem Eintreffen Merkels am Freitag bei einem Unfall an einer Schusswunde starb. Dem Vernehmen nach löste sich beim Reinigen von Waffen ein Schuss, nachdem die Soldaten von einem Einsatz zurückgekehrt waren.

Bundestag entscheidet im Januar über Einsatz-Verlängerung

Merkel kam im Feldlager in Masar-i-Scharif mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dem Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf, US-General David Petraeus, zusammen. Vor dem Treffen sagte Merkel, sie wolle mit Karsai über den Aufbau der Verwaltung und über die Korruption sprechen. "Die Fortschritte sind hier noch nicht so, wie wir uns das vorstellen." Nach dem Gespräch sagte Merkel auf die Frage, ob Karsai versprochen habe, gegen die Korruption vorzugehen: "Er hat konkret ehrlich gesagt gar nichts versprochen." Der Präsident nannte Merkel "eine sehr gute Freundin".

Zum Ziel der Bundesregierung, Ende 2011 erste Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, sagte die Kanzlerin: "Das setzt voraus, dass die Lage auch so ist, dass man das verantworten kann." Darin sei sich die Bundesregierung einig.

Merkel sprach den Soldaten ihre Anerkennung aus. "Der Grund, warum ich auch hier bin, ist Ihnen Dankeschön zu sagen", sagte sie in Kundus. "Wir wissen, dass das eine extrem gefährliche Sache ist und sich viele noch lange nach dem Einsatz damit rumplagen, was sie hier erlebt haben." Das militärische Engagement am Hindukusch diene auch der Sicherheit Deutschlands. "Ohne Sie könnten wir nicht so sicher leben, und das müssen wir den Menschen auch sagen". Im Januar entscheidet der Bundestag über die erneute Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz.