Ausbreitung Coronavirus in Großstädten

Merkel setzt Ultimatum nach Gesprächen mit Oberbürgermeistern

09. Oktober 2020 - 16:05 Uhr

Krisensitzung mit Kanzlerin und Vertretern deutscher Großstädte

Wegen der steigenden Corona-Zahlen in Großstädten hat das Kanzleramt die Oberbürgermeister von Berlin, Hamburg, Bremen, München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Leipzig und Stuttgart zur digitalen Krisensitzung gebeten. Die Angst vor einer Situation, wie sie vor ein paar Monaten in Norditalien herrschte, ist groß. Droht die Pandemie nun in der zweiten Welle in den Städten außer Kontrolle zu geraten? Angela Merkel fand in ihrem Statement am Nachmittag klare Worte.

Neuinfektionen in großen Städten steigen deutschlandweit an

 Coronavirus - Alltag nach Lockerungen Berlin, DEU, 22.05.2020 - Dichtes Gedraenge rund um den Alexanderplatz. Menschen mit Masken. Schwierig die Abstandsregel einzuhalten. Nicht anstecken. Deutschland oeffnet sich langsam wieder. Geschaefte, Cafes,R
Coronavirus - Alltag nach Lockerungen Berlin, DEU, 22.05.2020 - Dichtes Gedraenge rund um den Alexanderplatz. Menschen
© imago images/Jochen Eckel, Jochen Eckel via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Blick auf Paris und Madrid macht deutlich, dass auch bei uns großer Handlungsbedarf besteht. Mit 270 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreicht Paris aktuell einen neuen Höchstwert. In Madrid droht der Notstand. Schon jetzt geraten die Krankenhäuser vor Ort an ihre Kapazitätsgrenzen. Um zu verhindern, dass die Zahlen in deutschen Großstädten ähnliche Ausmaße annehmen, hat Merkel heute zum Krisengespräch mit den Vertretern deutscher Großstädte gebeten. Denn auch in Berlin steigen die Corona-Infektionszahlen zurzeit rasant an: Die komplette Hauptstadt ist schon Risikogebiet und droht zu einem echten Hotspot zu werden. Während zu Beginn der Pandemie überwiegend Provinzen betroffen waren, scheint es in der zweiten Welle eher große Städte zu erwischen. Woran liegt das? Und was planen Angela Merkel und die Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen, um zu verhindern, dass auch in Deutschland die Lage außer Kontrolle zu geraten droht?

Reisen, feiern und die Enge in Städten sind ein Problem

Erst vor kurzem sagte der Hamburger Oberbürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im ZDF, die Pandemie werde in den Metropolen entschieden. Er scheint recht zu behalten. Neben Berlin sind auch in die Zahlen in Frankfurt oder Bremen besorgniserregend. Dort stiegen die jeweiligen Inzidenzwerte auf über 50 an. Das Problem: Während im Sommer viele der Neuinfektionen auf konkrete Ereignisse, wie Familienfeiern oder Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen zurück zu führen waren, sind die Infektionsketten in den Großstädten nun nicht mehr nachvollziehbar. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht zumindest für Berlin davon aus, dass das aktuelle Geschehen vor allem durch junge international Reisende und Feiernde ausgelöst worden ist. Viele halten sich mittlerweile nicht mehr an die Regeln, die das Virus in Schach halten sollten. Aber auch die Enge in Großstädten, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, führt dazu, dass sich das Virus schneller ausbreitet, als in ländlichen Regionen. Epidemiologen halten beispielsweise Sperrstunden und Alkoholverbote für ein sinnvolles Mittel, um weitere Neuinfektionen zu vermeiden. 

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Nach Beratungen mit den Bürgermeistern: Merkel setzt Ultimatum

Angela Merkel und die Oberbürgermeister haben sich am Mittag über zusätzliche Maßnahmen in den Städten beraten. Wenn die Infektionszahlen in zehn Tagen immer noch so rasant ansteigen, wie zuletzt, werden die Corona-Regeln wieder angezogen. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir uns klarmachen müssen, wie wir im Herbst und Winter dastehen wollen." Zu den angedachten Maßnahmen, die die Städte nach eigenem Ermessen anwenden können zählt unter anderem, dass Mund-Nasen-Bedeckungen überall dort konsequent getragen werden müssten, wo kein Abstandhalten möglich ist. Außerdem habe man in Erwägung gezogen, Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum, zum Beispiel in der Gastronomie, wieder einzuführen. Auch bei Veranstaltungen legte die Kanzlerin Beschränkungen nahe, dazu Sperrstunden und Alkoholverbote. Mit einem eindringlichen Appell sprach Merkel vor allem die jungen Menschen an. Sie sollten darüber nachdenken, was ihnen das Wichtigste sei: Die Gesundheit der Familie und die Möglichkeit, auch zukünftig die Chance auf Ausbildungsplätze und Arbeit. "Alles wird zurück kommen. Das Feiern und das Spaß haben. Aber jetzt zählt etwas anderes", so Merkel in ihrem Statement. In zwei Wochen wollen die Kanzlerin und die Städtevertreter nocheinmal miteinander sprechen, um zu schauen, ob die zusätzlichen Maßnahmen Wirkungen zeigen.