Merkel in Moskau, Washington, Minsk: Nur noch kurz die Welt retten – aber wie?

Krisen-Diplomatie mit großen Hürden

Angela Merkels Mission könnte kaum schwieriger sein: Die Kanzlerin muss gleichzeitig in Moskau, Washington und Minsk die Strippen ziehen, um einen Ausweg aus der Ukraine-Krise zu finden, die längst als Krieg bezeichnet werden muss. Auf welche Probleme stößt sie dabei?

Angela Merkel landet in Washington
Kanzlerin Merkel bei der Ankunft in Washington - was bringt der Besuch in den USA?
dpa, Michael Kappeler

Am Wochenende gab es Gespräche mit Russlands Präsident Wladimir Putin und Frankreichs Staatschef Francois Hollande. Heute trifft sie sich in Washington mit US-Präsident Barack Obama – und schon Mittwoch soll es in Minsk zum entscheidenden Gipfel-Treffen mit Putin, Hollande und Ukraines Präsident Petro Poroschenko kommen. Im Vorfeld wurde jetzt beschlossen, die geplante Ausweitung der EU-Sanktionen gegen ukrainische Separatisten und russische Politiker vorerst auf Eis zu legen.

Das sind die Problem-Stationen der Kanzlerin:

Moskau:

Bereits am Freitagabend trafen Merkel und Hollande im Kreml auf Putin: Man einigte sich, das vor fünf Monaten vereinbarte und bislang ignorierte Minsker Friedensabkommen für die Ostukraine zu überarbeiten. Es folgte eine Telefonkonferenz, an der auch Poroschenko teilnahm – man verständigte sich auf ein Treffen in Minsk.

Washington:

Hauptthema in den USA sind mögliche Waffenlieferungen an die Ukraine – vor allem die Republikaner fordern das, Merkel ist strikt dagegen. RTL-Reporter Peter Kleim berichtet: "Der, auf den es am Ende wirklich ankommt – Präsident Obama – hält sich bislang zurück. Seit Tagen heißt es gebetsmühlenartig aus dem Weißen Haus, wir wollen erst den Besuch der Bundeskanzlerin abwarten. Von Angela Merkels Visite in ein paar Stunden hängt extrem viel ab." Obama würde wohl eine diplomatische Lösung der Ukraine-Krise vorziehen – kann sich aber auch nicht von Putin vorführen lassen. Kann Merkel verhindern, dass der Westen gespalten wird?

Minsk:

Nach dem Kurzbesuch jettet die Kanzlerin wieder über den Atlantik: Knackpunkt der Friedensverhandlungen in Minsk am Mittwoch ist die Zustimmung aller Parteien zu einer neuen Feuerpause. Die endgültige Entscheidung über das Zustandekommen des Spitzentreffens hängt allerdings von weiteren Gesprächen ab. Putin hat dafür aber eine Reihe von Bedingungen genannt. Zur Vorbereitung soll es heute Verhandlungen zwischen den vier Staaten auf Beamtenebene geben.

Putin forderte erneut direkte Verhandlungen zwischen der Regierung in Kiew und den Separatisten. Er bezeichnete die ukrainische Militärintervention in einem Zeitungsinterview als "Strafaktion". Russland sieht sich weiterhin nicht als Teil des blutigen Konflikts im Osten des Landes – anders als der Westen. Nicht die besten Voraussetzungen, um den Vierergipfel Merkel, Putin, Hollande, Poroschenko zum Erfolg zu bringen.