Merkel in Athen gelandet: Erste Festnahmen

09. Oktober 2012 - 20:10 Uhr

"Jetzt Volksaufstand gegen die Sparpolitik"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist zu ihrem Staatsbesuch in Griechenland eingetroffen, dem ersten seit Beginn der Wirtschaftskrise. Es sind Gespräche mit Regierungschef Antonis Samaras, der sie am Flughafen begrüßte, und Staatspräsident Karolos Papoulias geplant. Zudem will Merkel griechische und deutsche Unternehmer treffen.

Merkel in Athen, Euro-Zone, Festnahmen
Ein freundlicher Empfang sieht anders aus.
© dpa, Alkis Konstantinidis

Bei Protesten gegen den Besuch ist es zu ersten Ausschreitungen gekommen. 40 bis 50 teils vermummte Demonstranten warfen Steine auf Polizisten. Die setzten Schlagstöcke und Blendgranaten gegen die Angreifer ein. Die Situation beruhigte sich aber nach kurzer Zeit wieder. Zuvor hatten rund 100 Jugendliche versucht, eine Absperrung vor dem Parlamentsgebäude zu durchzubrechen. Die Polizei setzte Tränengas ein, daraufhin zogen sich die Randalierer zurück.

Mehrere tausend Griechen demonstrieren während des Besuchs von Merkel gegen die Sparpolitik. Auf dem Platz vor dem Parlament versammeln sich nach ersten Schätzungen griechischer Medien rund 15.000 Menschen. Sie machen zum Teil Merkel verantwortlich für die Arbeitslosigkeit und das Schrumpfen der griechischen Wirtschaft.

Auch auf dem zentralen Omonia Platz versammeln sich mehrere tausend Anhänger der Kommunistischen Partei (KKE) zu einer Demonstration. "Jetzt Volksaufstand gegen die Sparpolitik", skandieren sie. Einige tragen Transparente mit dem Spruch "Frau Merkel - get out" ("Frau Merkel - hau ab"). Das Staatsfernsehen NET berichtet über erste Festnahmen von rund zwei Dutzend verdächtig erscheinenden Jugendlichen.

Die Polizei hat das gesamte Regierungsviertel hinter dem Parlament gesperrt. Wasserwerfer wurden gesichtet. Polizisten kontrollieren in der überwachten Zone auch Passanten. Die Polizei schloss sechs U-Bahn-Stationen, damit niemand ins Sperrgebiet ohne Kontrolle fahren kann. Die Straße vor der deutschen Botschaft wurde vollständig gesperrt.

Unabhängig vom Merkel-Besuch hat die Euro-Zone Griechenland wegen der schleppenden Reformen unter Zeitdruck gesetzt. Die Währungspartner forderten die Regierung in Athen auf, bis zum EU-Gipfel am 18. Oktober alle noch offenen Punkte abzuarbeiten, die als Voraussetzung für eine Auszahlung der nächsten Hilfsgelder verabredet wurden.