Merkel beklagt neuen und alten Antisemitismus in Deutschland

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23. April 2018 - 11:40 Uhr

Anfeindungen gegen Juden nehmen zu

Es ist traurig, aber wahr: Juden können sich in Deutschland nicht überall sicher in der Öffentlichkeit bewegen und sind zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Dazu trägt verstärkt auch der Antisemitismus von Migranten aus dem arabischen Raum bei. Jetzt hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel über neue Formen des Antisemitismus in Deutschland beklagt.

Jüdische Einrichtungen brauchen Polizeischutz: "Das bedrückt uns"

Dem israelischen Nachrichtensender 'Channel 10 News' sagte Merkel: "Wir haben jetzt auch neue Phänomene, indem wir Flüchtlinge haben oder Menschen arabischen Ursprungs, die wieder eine andere Form von Antisemitismus ins Land bringen." Allerdings habe es Antisemitismus leider auch schon vor der Ankunft der vielen Flüchtlinge in Deutschland gegeben, sagte sie. "Kein jüdischer Kindergarten, keine Schule, keine Synagoge könnten ohne Polizeischutz sein. Das bedrückt uns."

Antisemitische Vorfälle in Deutschland machen seit Wochen verstärkt Schlagzeilen. So wurde in Berlin eine Zweitklässlerin von älteren Schülern aus muslimischen Familien wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit beschimpft. Auch ein 14-Jähriger Berliner machte ähnlich schockierende Erfahrungen, wie seine Eltern berichten.

Grünen-Chef Habeck: "Arabischer Antisemitismus darf in Deutschland nicht geduldet werden"

19.03.2008, Israel, Jerusalem: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht an der Gedenkflamme in der Halle der Erinnerung in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem, nachdem sie einen Kranz niedergelegt hat.
Angela Merkel beim Besuch der Gedenkstätte in Yad Vashem (Archivfoto, 2008).
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Die Rapper Farid Bang und Kollegah wurden für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem Echo-Musikpreis ausgezeichnet - es hagelte Proteste. Zuletzt löste ein judenfeindlicher Angriff im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg Empörung aus. Dort wurde ein junger Israeli angegriffen, der eine Kippa trug, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. Gegen den mutmaßlichen Täter erging Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung. Es handelt sich um einen 19-jährigen Palästinenser aus Syrien, der seit 2015 in Deutschland ist.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck sagte im Deutschlandfunk, arabische Migranten seien in Ländern groß geworden, "wo die Feindschaft zum Staat Israel und damit ein struktureller Antisemitismus zum Lehrkanon in den Schulen, zur Staatsdoktrin gehört". Solch arabischer Antisemitismus dürfe in Deutschland nicht geduldet werden, warnte Habeck.

Das Internationale Auschwitz Komitee warnte, "dass sich die Situation des Antisemitismus in vielen europäischen Ländern durch das Zusammenfließen rechtsextremer und islamistischer Faktoren des Hasses gegenüber jüdischen Menschen zu einem völlig neuen Bedrohungsszenario ausgewachsen hat, dessen Dimensionen noch gar nicht zu überschauen sind". Hinzu komme eine zunehmende Indifferenz der Gesellschaft und auch "subtiler Antisemitismus in der politischen Mitte".