Testfahrten Barcelona | Tag 3

Mercedes katapultiert sich in die Favoritenrolle

F1 Winter Testing in Barcelona - Day Three
© Getty Images, Bongarts, AJB

21. Februar 2020 - 19:29 Uhr

Mercedes überrascht mit neuem Lenkrad-System

Der neue Mercedes W11 EQ Performance ist die Messlatte für die Konkurrenz in der kommenden Saison - das hat das Weltmeisterteam in der ersten Testwoche auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya deutlich gemacht. Und auch technisch hat das Team mit dem neuen DAS-System in Sachen Innovation die Nase vorn.

Bottas rast zur Wochenbestzeit

Auch wenn die Vergangenheit lehrt, dass die Ergebnisse der Wintertests immer nur mit Vorsicht interpretiert werden sollten, bleibt festzuhalten: Der neue Silberpfeil ist aus dem Stand schnell und zuverlässig - das unterstrichen die beiden Piloten Valtteri Bottas und Lewis Hamilton am letzten Testtag noch einmal eindrucksvoll.

Wie zum Auftakt am Mittwoch sicherten sich die Sternenkrieger die Positionen 1 und 2 im Klassement. Bei Sonnenschein und Temperaturen um die 18 Grad raste Bottas am Vormittag in 1:15,732 Minuten zur Wochenbestzeit. Hamilton, der den W11 EQ Performance am Nachmittag übernahm, schaffte es nicht, seinen Teamkollegen zu unterbieten. In 1:16,516 Minuten war er fast acht Zehntel langsamer als Bottas – aber immer noch rund  eine halbe Sekunde schneller als der Rest des Feldes, das von Renault-Pilot Esteban Ocon angeführt wurde.

Bottas: Haben jeden Tag Fortschritte gemacht

Bottas zog ein durchweg positives Fazit: "Es gab keine großen Probleme, das Auto verhält sich ziemlich gut", sagte der Finne. "Ich glaube, dass wir jeden Tag Fortschritte gemacht haben." Der Eindruck sei insgesamt "ziemlich gut".

Wie seine Bestzeit zu bewerten ist, macht auch ein Vergleich deutlich: Der Finne war zum Abschluss der ersten Tests des Jahres nur rund drei Zehntel langsamer als auf seiner Pole-Runde beim Spanien-GP der vergangenen Saison und knapp eine halbe Sekunde schneller als bei der besten Rundenzeit der Wintertests 2019.

Ferrari und Vettel fahren hinterher

​Von der ist Ferrari noch mehr als zwei Sekunden entfernt. Sebastian Vettel, der den letzten Testtag für die Scuderia alleine fuhr, musste nach seinem krankheitsbedingten Ausfall am Mittwoch erneut einen Rückschlag hinnehmen. Weil der Motor im neuen SF1000 am Vormittag streikte, verlor er fast zweieinhalb Stunden Testzeit.

Zwar konnte Vettel nach einem Wechsel des Aggregats am Nachmittag wieder Gas geben, doch eine Verbesserung schaffte er nicht mehr. Mit 2,652 Sekunden musste sich der 32-Jährige zum Abschluss der Testwoche mit dem 13. Platz begnügen. Zuvor hatte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bereits eingestanden, dass der SF1000 nicht auf dem Niveau der Boliden von Mercedes und Red Bull ist. Beim Saisonstart in Melbourne am 15. März werde Ferrari wohl noch nicht siegfähig sein, meinte der 50-Jährige.

Im Video: Vettel bleibt mit seinem SF1000 liegen

Verstappen zieht positives Fazit der ersten Testwoche

Immerhin schaffte Vettel am Nachmittag so viele Runden, dass er am Ende mit 100 Umläufen zumindest in dieser Wertung noch Red-Bull-Pilot Max Verstappen überholte. Der Niederländer spulte 86 Runden ab, kam im Zeitentableau aber auch nicht über Platz 8 hinaus; auf Bottas fehlten ihm fast zwei Sekunden.

Trotzdem zog auch Verstappen eine positive Bilanz. "Ich glaube, wir hatten eine gut erste Woche. Wir sind viele Runden gefahren und haben viel gelernt", sagte der 22-Jährige am RTL-Mikrofon. Das sei zunächst einmal das wichtigste gewesen.

Im Video: Verstappens Fazit der ersten Testwoche

Racing Point an der Spitze des Mittelfelds

Einen guten Eindruck hinterließ nach Einschätzung von Experten und Fahrern auch das Racing-Point-Team. Lance Stroll landete am Freitag mit 1,606 Runden Rückstand noch einmal auf dem 4. Platz knapp vor AlphaTauri-Pilot Daniil Kvyat (+ 1,695), Alfa-Romeo-Fahrer Antonio Giovinazzi (+ 1,737) und Daniel Ricciardo (+ 1,842) im Renault.

Racing-Point-Pilot Sergio Perez, der am Freitag nicht mehr zum Einsatz kam, meinte kurz vor der Abreise aus Barcelona: "Ich glaube, wir liegen an der Spitze des Mittelfelds." Eine Einschätzung, die auch im Fahrerlager geteilt wird – ebenso wie eine weitere: Williams hat den Anschluss ans Mittelfeld geschafft. Am letzten Testtag wurde das Team jedoch von einem Motorenproblem ausgebremst. Der Wechsel des Aggregats dauerte so lange, dass Nicholas Latifi am Nachmittag nur noch weniger als eine Stunde zum Testen kam.

Haas reist nach Crash vorzeitig ab

Lediglich vier Runden schaffte Kevin Magnussen im Haas. Der Däne, der den neuen VF-20 nach der Mittagspause von Romain Grosjean übernahm, zerlegte das Auto bei einem Dreher nach einem Reifenplatzer nach nur vier gefahrenen Runden. Weil es zu lange gedauert hätte, den Boliden wieder zu reparieren, brach das Team den letzten Testtag vorzeitig ab.