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Mercedes freut sich über seine ziemlich besten Feinde

Mercedes freut sich über seine ziemlich besten Feinde

Aus Mexiko-Stadt berichtet Daniel Grochow

Die WM ist entschieden, trotzdem knistert es in der Formel 1 gewaltig: Der verbale Schlagabtausch zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton geht beim Großen Preis von Mexiko in die nächste Runde. Für die Verantwortlichen von Mercedes alles kein Problem, für Sebastian Vettel die Hoffnung auf den Sieg. Der Ferrari-Mann wünscht sich eine Fortführung des Kriegs der Sterne auf der Strecke - und will in Speedy-Gonzales-Manier der lachende Dritte sein.

Lewis Hamilton, Nico Rosberg
Lewis Hamilton und Nico Rosberg giften sich weiter an - ganz zur Freude ihrer Bosse.
imago/LAT Photographic, imago sportfotodienst

Nico Rosberg und Lewis Hamilton können es nicht lassen. Obwohl der Brite im vergangenen Rennen den Titel perfekt gemacht hat, wird die sportliche und verbale Auseinandersetzung auch in Mexiko munter fortgesetzt. Im Paddock würdigen sich die Mercedes-Männer keines Blickes, dafür hauen sich die beiden Piloten die Kampfansagen nur so um die Ohren. "Der Weg zur ersten Kurve ist lang, da werden wir einen schönen Kampf ausfechten", kündigte Rosberg nach seiner Pole Positionen auf dem Autodromo Hermano Rodriguez an.

Von einer persönlichen Aussprache mit Hamilton, der den Teamkollegen in Austin mit einem harten Manöver von der Strecke gedrängt hatte, will der WM-Dritte nichts wissen: "Es macht keinen Unterschied, wir kämpfen immer gegeneinander", so Rosberg, der von seinem Stallrivalen endlich einmal Zuspruch bekam. "Er hat alles gesagt", lautete das knappe Statement von Hamilton zu dem Thema, das Mercedes schon die gesamte Saison begleitet.

Kein Grand-Prix-Wochenende ist seit dem Auftakt in Melbourne gefühlt vergangen, an dem keine silbernen Giftpfeile durch das Fahrerlager geflogen sind. Teamchef Toto Wolff führte im Vorfeld des Mexiko-GP deshalb "bilaterale Gespräche" mit den Fahrern. Beide hätten sich erklärt, er sei mit dem Ausgang zufrieden, so Wolff, der die 'Kappen-Affäre' vom Rennen in den USA ohnehin genossen habe: "Genau das braucht der Sport: Emotionen. Niemand möchte, dass wir der Finger drauf haben und sagen: 'Bitte keine Kontroversen.' Es ist alles großartig."

Vettel will den Speedy Gonzales machen

Die Verantwortlichen von Mercedes haben mit dem Duell der beiden Streithähne also kein Problem - im Gegenteil. "Man muss nur ein bisschen angefressen sein, dann geht das", sagte Wolff mit Blick auf Rosbergs Pole, und auch Aufsichtsratschef Niki Lauda frohlockte: "Jetzt ist der ganze Bullshit vorbei, jetzt ist Nico wieder vorne und kann das Rennen von der besten Position angehen. Die Pole gegen seinen Erzfeind Lewis erobern - das ist genau das Richtige für seinen Kopf."

Dass der "Bullshit", also der nimmer enden wollende Zwist zwischen Hamilton und Rosberg, vorbei ist, davon geht in Mexiko aber kaum jemand aus. Weil die Silberpfeile einmal mehr das beste Auto haben, müssten sie den Sieg eigentlich unter sich ausmachen - eine Wiederholung des teils überharten Duells darf also erwartet werden. Für das Team sei es "ein Problem, wenn etwas kaputt geht, aber solche Dinge passieren", so Lauda, dem schon Böses schwant: "Berührungen sollen nicht passieren, aber ich habe damit kein Problem. Und das kann hier im Rennen passieren, das sage ich jetzt schon."

Nutznießer des erneut mit Spannung erwarteten Mercedes-Duells will Sebastian Vettel werden. "Ihr könnt euch ja beide rauskicken, dann kann ich mal vorbeifahren", richtete sich der Ferrari-Star in seiner gewohnt ironischen Art an die beiden Streithähne, die für den Vorschlag nur ein zaghaftes Lächeln übrig hatten. Mehr als Platz 3 im Qualifying sei nicht drin gewesen, erklärte der viermalige Weltmeister, der im Rennen zur mexikanischen Zeichentrickfigur mutieren will: "Vielleicht können wir ja den Speedy Gonzales auspacken."

Würde er den Turbo anwerfen und in Mexiko vor Rosberg landen, Vettel hätte im deutschen Duell um die Vize-Weltmeisterschaft den nächsten Schritt getan. Glaubt man dem Mercedes-Piloten, ist ihm der 2. Platz in der WM-Endabrechnung aber herzlich egal, schon am Donnerstag hatte Rosberg klar gemacht, worum es ihm das gesamte Jahr über ging und auch bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi gehen wird: "Mein Ziel ist es, den Typen in der Garage nebenan zu schlagen." Wer damit gemeint ist, es bedarf wohl keiner Erklärung mehr.