Meldenetzwerk "Hessen schaut hin" stellt ersten Jahresbericht vor

184 Betroffene melden rechte und rassistische Vorfälle in Hessen

Auch der rechtsterroristische Anschlag von Hanau fließt in die Statistik von "Response" mit ein.
Auch der rechtsterroristische Anschlag von Hanau fließt in die Statistik von "Response" mit ein.
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16. März 2021 - 15:25 Uhr

Meldestelle legt ersten Jahresbericht vor

Es gibt sie erst seit einem Jahr, doch schon jetzt wird deutlich, wie notwendig und wichtig die Arbeit des Meldenetzwerks "Hessen schaut hin" ist. So wurden dort bereits 184 rechte und rassistische Vorfälle aus nahezu allen Städten und Landkreisen Hessens gemeldet. Das geht aus dem ersten Jahresbericht des Natzwerks hervor. Darunter waren körperliche Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen, psychische Gewalt und Mobbing und politisch motivierte Sachbeschädigungen. Hinzu kämen der rechtsterroristische Anschlag in Hanau mit neun Toten, sowie weitere 118 anonym gemeldete Vorfälle.

Dunkelziffer könnte noch viel höher sein

"Hessen schaut hin" ist eine Initiative von "Response", einer Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Gemeinsam mit weiteren Partnern arbeite man daran, "das Ausmaß rechter Gewalt realistischer abzubilden". Response ist ein Angebot der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

Wenn Menschen damit rechnen müssen, im Alltag jeder Zeit zum Ziel von gewalttätigen Angriffen werden zu können, erschüttert das ihr Sicherheitsgefühl ungemein, ganz besonders, wenn die Taten in ihrem persönlichen Wohnumfeld auftreten", sagte Response-Leiterin Liisa Pärssinen. "Rechte und rassistische Gewalt fängt nicht erst bei Tötungsdelikten an – die in unserer Meldestatistik erfassten Fälle zeigen sehr deutlich das Spektrum der Gewalt auf, das von verbalen Attacken über Bedrohungen bis hin zu brutalen Angriffen auf Leib und Leben reicht."

Beratungsstelle "Response": Spektrum der Gewalt ist groß

Die Meldestelle vermutet allerdings eine hohe Dunkelziffer: "Das bildet nicht die reale Welt ab. Die Fälle stellen nur den Ausschnitt dar, den wir als Beratungsstelle mitbekommen", sagte der stellvertretende Response-Leiter Roman Jeltsch. "Wir gehen von einer wirklich hohen Zahl ungemeldeter Vorfälle aus."

Auch auf Landesebene sei ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Rassismus notwendig, sagte Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. "Der Bund hat nach dem Anschlag von Hanau relativ beherzt ein Maßnahmenpaket aufgesetzt, das Land Hessen hingegen kommt nur im Schneckentempo voran." Wichtig sei, dass nicht nur mehr Menschen hinschauen und Vorfälle melden, sondern auch Betroffene ihr bisheriges Schweigen brechen: "Die Menschen sollten nicht akzeptieren, dass Rassismus oder Antisemitismus zu ihrem Alltag gehört."

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Kontakt für Betroffene

Hier finden Menschen Unterstützung, die von rechtsextremer, rassistischer oder antisemitischer Gewalt betroffen sind.

Response - Beratung für Betroffene von rechter, rassistischer und anitsemitischer Gewalt
Tel: 069 / 56 000 242
Email: kontakt@response-hessen.de

Bildungsstätte Anne Frank
Tel.: 069 / 56 000 20
Email:info@bs-anne-frank.de