RTL-Forsa-Umfrage

Mehrheit der Deutschen stellt Spahn schlechtes Zeugnis aus

Die Mehrheit der Deutschen stellt Spahn ein schlechtes Arbeitszeugnis aus.
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04. März 2021 - 20:16 Uhr

Deutsche weniger zufrieden mit Gesundheitsminister

Im März 2020 war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn der gefeierte Krisenmanager in der Corona-Pandemie. Die "ZEIT" schrieb sogar von "Deutschlands Krisen-Dreamteam" zusammen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Jetzt – genau ein Jahr später - bewerten die Deutschen Spahns Arbeit mehrheitlich als weniger gut oder sogar schlecht. Grund dafür ist u.a. die Pannenserie, die der Gesundheitsminister inzwischen vorzuweisen hat.

Wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv hervorgeht, bewertet jeder Dritte (33 Prozent) der Deutschen Spahns Arbeit als weniger gut, mehr als jeder Vierte sogar als schlecht (26 Prozent).

Jeder Vierte findet Spahns Arbeit schlecht

Als beim vergangenen Bund-Länder-Gipfel die Ministerpräsidenten und Teile der Bundesregierung über den Einsatz von Schnell- und Selbsttests debattierten, kam eine neue Panne ans Licht. Im Interview mit RTL erklärte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, warum man sich nicht allzu sehr auf Selbsttests als Basis für mögliche Lockerungen stützen sollte. Denn es seien schlicht noch keine bestellt worden. "Die Beschaffung ist zu spät gestartet worden", so Lauterbach am RTL-Mikrofon.

Auch die Impfkampagne läuft in Deutschland bei weitem nicht so erfolgreich, wie in anderen Ländern. Den Deutschen sind diese Misserfolge offenbar nicht verborgen geblieben, denn sie stellen Jens Spahn ein deutlich schlechteres Zeugnis aus, als noch zu Beginn der Pandemie.

Vertrauen in die Politik sinkt

Noch vor einem Jahr war das ganz anders. Die Mehrheit der Deutschen war mit Spahns Arbeit in der Corona-Krise zufrieden (47 Prozent) oder sogar sehr zufrieden (8 Prozent). Besonders vernichtend fällt Spahns Bewertung bei den Anhängern von FDP und AfD aus. 44 Prozent der Liberalen beurteilen seine Arbeit als schlecht. Bei den Anhängern der AfD sind es sogar 84 Prozent.

Ein ähnliches Misstrauen bringen die Deutschen aber auch der gesamten Politik entgegen. Hatten im April 2020 noch 47 Prozent großes Vertrauen in die Arbeit der Bundes- und Landesregierungen, hat jetzt mehr als jeder Dritte kein Vertrauen mehr in das Krisenmanagement der Politik.

Das ist auch noch mal ein deutlicher Anstieg zur letzten Umfrage aus dem Januar. Damals hatten immerhin noch 26 Prozent großes Vertrauen in die Politik, heute sind es nur noch 15 Prozent.

Deutsche gespalten bei Schnelltests

Gleichzeitig sind die Deutschen sehr unentschlossen, ob Corona-Selbsttests das richtige Mittel zur Bekämpfung der Pandemie sind. Etwas weniger als die Hälfte der Befragten (49 Prozent) würden sich hin und wieder einen Selbsttest zum Preis von fünf Euro kaufen. Die andere Hälfte (46 Prozent) sind eher skeptisch.

Besonders optimistisch sind dabei mehrheitlich die unter 30-Jährigen. Fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) planen sich einen Selbsttest zu kaufen. Die AfD-Anhängern sind mit großer Mehrheit gegen einen Einsatz von Schnelltests. 82 Prozent der Befragten gaben an, sich keinen Selbsttest kaufen zu wollen.

Auch Uneinigkeit bei Lockerungsmaßnahmen

Gespalten zeigen sich Deutschen auch bei einer Bewertung der beschlossenen Lockerungsmaßnahmen. Je rund ein Drittel der Befragten findet die beschlossenen Öffnungsschritte "angemessen", "zu vorschnell" und "nicht schnell genug.

Ein deutlicheres Bild ergibt sich bei der Ost-West-Verteilung. Für die Hälfte der Ostdeutschen gehen die Lockerungsschritte nicht weit genug. Im Vergleich: Im Westen ist es nur jeder Dritte.

Auch die Anhänger der Oppositionsparteien FDP (60 Prozent) und AfD (77 Prozent) sehen den Beschluss von Ministerpräsidenten und Kanzlerin mehrheitlich kritisch. Grüne und Linke unterstützen die Beschlüsse ähnlich vehement, wie die Anhängern der Großen Koalition (Union: 16 Prozent, SPD: 29 Prozent).