Mehrere überlebende Lawinenopfer, aber immer noch Vermisste - "Da drin sind noch meine Frau und meine Kinder"

23. Januar 2017 - 11:49 Uhr

Frau und Kinder von Giampiero P. wohl weiter vermisst

In dem von einer Schneelawine verschütteten Hotel im Erdbebengebiet in der italienischen Abruzzen-Gemeinde Farindola sind nach Medienangaben acht Überlebende gefunden worden. Einige von ihnen - unter ihnen auch zwei Kinder - seien bereits aus den Trümmern befreit worden und auf dem Weg ins Krankenhaus. Allerdings werden weiterhin viele Menschen vermisst. Ob auch Giampiero P.s (38) Angehörigen unter den Überlebenden sind, ist noch unklar. Seine Frau und zwei Kinder waren von der Lawine verschüttet worden.

Lawine-Opfer-Familie
Giampiero P. hat kaum noch Hoffnung, seine verschüttete Familie lebend wiederzusehen.
© dpa/ Facebook Giampiero P.

Giampiero P. wollte Kopfschmerztabletten für seine Frau aus dem Auto holen, als ein lautes Knirschen und Ächzen die Lawine ankündigte. Sekunden später lag das Vier-Sterne-Hotel 'Rigopiano' unter Schneemassen begraben - und mit ihm Ehefrau Adriana, Ludovica (6) und Gianfilippo (8). "Es hat mich auch beinahe weggerissen", zitiert die italienische Nachrichtenseite 'Il Tempo' Giampiero. Der Familienvater wurde selbst verschüttet, konnte sich jedoch befreien.

"Ich habe alles verloren", wird er von der 'Corriere della Sera' zitiert. "Da drin sind noch meine Frau und meine beiden Kinder." Giampiero rief seinen Chef an, den Restaurantbesitzer Quintino Marcella. Der berichtet, dass die Behörden zwei Stunden lang nicht auf seine Hilferufe reagierte hätten, ihm nicht glaubten. Als er das Notfallkoordinationszentrum alarmierte, habe eine Frau ihm mitgeteilt, sie habe erst vor zwei Stunden mit dem Hotel Kontakt gehabt "und alles war in Ordnung". Der Unternehmer habe auf seiner Version bestanden, doch die Frau habe ihn nicht für voll genommen. Daraufhin habe er sämtliche ihm bekannten Notfallnummern kontaktiert. "Ich habe die ganze Welt wahnsinnig gemacht." Erst zwei Stunden später, gegen 20 Uhr, hatte er endlich Erfolg. Um vier Uhr am Morgen drangen die ersten Retter auf Skiern in das Unglücksgebiet vor.

Besonders dramatisch ist, dass die Hotelgäste nach wiederholten Erdstößen bereits ausgecheckt hatten und auf ihre Evakuierung warteten. "Giampiero hat mir gesagt, alle hätten schon gezahlt und hätten mit gepackten Koffern auf die Schneefräse gewartet", sagt Marcella.

Die Bergungsarbeiten gestalten sich äußerst schwierig. Am Donnerstag hingen Rettungskräfte stundenlang rund neun Kilometer vor dem Hotel im Schne fest. Eine gewaltige Lawine hatte es am Mittwoch nach einer schweren Erdbebenserie unter sich begraben. Die Wucht der Schneemassen riss einige Teile des Gebäudes mit. Nach Angaben des Hoteldirektors waren bis zu 35 Menschen in dem Gebäude in 1.200 Metern Höhe. Auch vier Kinder wurden vermisst. Medien berichteten am Donnerstag, dass die Einsatzkräfte vier Leichen fanden. Der Zivilschutz bestätigte zwei Tote. Mindestens zwei Menschen überlebten das Unglück.