Studie: Bis zu 2 Milliarden Euro mehr Einnahmen für Familien

Mehr Mütter im Job dank steigender Ganztagesbetreuung von Grundschülern

Die Erwerbsquote gerade von Müttern steigt um zwei bis sechs Prozentpunkte, wenn es eine zuverlässige Betreuung nach der Schule gibt, so die aktuelle Studie.
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20. Januar 2020 - 15:27 Uhr

Judith Schröder aus Hannover sucht Hortplatz für ihren Sohn Anton - seit 1,5 Jahren!

Kein Hortplatz für den Erstklässler Anton, dieser Alptraum jeder Familie traf auch Mutter Judith Schröder aus Hannover. Daher muss die Familie der Zahnärztin Antons Betreuung nach der Schule schon seit eineinhalb Jahren selbst organisieren. An zwei Tagen springt die Großmutter ein, und an drei Tagen holt eine Sozialpädagogin Anton, inzwischen schon in der 2. Klasse, von der Schule ab. Sie ist die Tochter einer Freundin. Aber auch das ist teuer: 800 Euro kostete das die Familie, da beide Frauen als Mini-Jobberinnen angestellt sind. Im Bundesland Niedersachsen besteht bisher kein Anspruch auf Betreuung nach 13 Uhr.

Studie zur Ganztagesbetreuung: Mehr Horte, mehr Jobs für Mütter

Judith Schröder muss seit anderthalb Jahren die Betreuung ihres Sohnes selbst organisieren, weil sie keine Betreuungsplatz nach der Schule findet.
Judith Schröder muss seit anderthalb Jahren die Betreuung ihres Sohnes selbst organisieren, weil sie keine Betreuungsplatz nach der Schule findet.
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Dabei zeigt ein neues Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Familienministeriums (BMFSFJ), dass der Ausbau von Ganztagesangeboten für Schulkinder so wichtig für Eltern ist. Die Erwerbsquote gerade von Müttern steigt der Studie nach um zwei bis sechs Prozentpunkte, wenn es eine zuverlässige Betreuung nach der Schule gibt. Mütter können ihre Teilzeit ausweiten, und Familien haben dadurch ein höheres Einkommen. Die Mehreinnahmen für Familien können bis zwei Milliarden Euro pro Jahr liegen. Auch der Staat profitiert durch:

  • Höhere Steuer- und Sozialversicherungs-Einnahmen
  • Weniger Sozialtransfers an Familien in Form von Hartz IV

Dadurch entsteht laut Studie ein Anteil der Selbst-Finanzierung der Ganztagesbetreuung von bis zu 89 Prozent, das heißt: Je mehr Familien arbeiten können und Steuern zahlen, desto mehr bezahlt sich die die Hortbetreuung von selbst.

Familienministerin Giffey sieht eine Lücke nach der Kita in der Ganztagesbetreuung

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey will Müttern und Vätern ermöglichen, dass beides geht: den Beruf auszuüben und dass die Kinder in guten Händen sind: "Wir sehen, dass die Nachfrage nach einer Ganztagesbetreuung immer mehr steigt. Wir haben sehr unterschiedliche Situationen in den Bundesländern dazu, aber es ist eindeutig, es ist ein Thema von 80 Prozent der Bevölkerung, die sagen: Wir brauchen das für eine gute Vereinbarkeit." Es könne nicht sein, dass in der Kita noch alles gut laufe und plötzlich mit Eintritt der Grundschulzeit vor allem Mütter kürzer treten müssten.

Einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung von Grundschülern soll es ab 2025 geben. Die Bundesregierung hat dafür den Aufbau eines Sondervermögens von zwei Milliarden Euro beschlossen, mit dem die eigentlich zuständigen Länder dabei unterstützt werden.