Mehr Laptops und Tablets fürs Lernen zu Hause

Michael Piazolo (Freie Wähler) nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

27. Mai 2020 - 17:20 Uhr

Die Lehrer in Bayern fordern eine bessere technische Ausstattung - besonders zu Zeiten des Lernens zu Hause im Rahmen der Corona-Pandemie. Jeder Lehrer müsse ein digitales Endgerät zur Verfügung gestellt bekommen, forderte am Mittwoch der Bayerische Realschullehrerverband (brlv) in München. Es könne nicht sein, dass Lehrer Geräte oder Computerprogramme selbst beschaffen, installieren und warten müssten. Zudem müsse sichergestellt sein, dass jeder Schüler zu Hause mit einem Gerät ausgestattet sei, um am digitalen Fernunterricht teilzunehmen.

Ähnlich äußerten sich Verbände wie der Bayerische Philologenverband (bpv), der überdies professionelle Kräfte an den Schulen forderte, die bei Technikproblem helfen. "Der Einsatz digitaler Konzepte funktioniert nur, wenn die Lehrkraft ins Klassenzimmer kommt, anschaltet und alles funktioniert", so der bpv. "Ohne professionelle Betreuung der Hardware wird die Digitalisierung an Bayerns Schulen nicht gelingen."

Zur Finanzierung von Laptops und Tablets für Schüler kündigte das Kultusministerium ein Sonderbudget von rund 78 Millionen Euro an. "Alle Schülerinnen und Schüler sollen beim "Lernen zuhause" in der Coronakrise gute Bedingungen vorfinden", sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Mit dem Geld könnten die Schulen ihren Bestand an Leihgeräten deutlich ausbauen und diese je nach Bedarf verteilen. Diese Hilfe solle unbürokratisch und schnell möglich sein, ohne eine formelle Prüfung der Bedürftigkeit. Das Geld ist Teil des 500 Millionen Euro schweren Ausstattungsprogramms des Bundes.

Zudem verwies das Ministerium auf den DigitalPakt Schule. Rund 778 Millionen Euro stünden für Investitionen in digitale Infrastruktur von Schulen zur Verfügung, etwa für die digitale Ausstattung von rund 50.000 Klassenzimmern, wo jeweils ein Lehrergerät vorgesehen sei.

Das Lernen zu Hause ist für Schüler jetzt Alltag. Präsenzunterricht in der Schule wechselt mit Phasen, in denen sie mit digitalen Hilfsmitteln von daheim aus lernen. Eine Herausforderung auch für die Eltern, die dabei oft mit großem Einsatz unterstützen müssen.

Und nicht alle Schüler profitierten davon: In den ersten Wochen der Schulschließungen von Mitte März bis Anfang April hatten die Lehrkräfte nach einer Umfrage des brlv durchschnittlich nur 85 Prozent der Schüler erreicht. Zu rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen habe es keinen Kontakt gegeben. Laut Verband lag das entweder an fehlender technischer Ausstattung der Familien oder an der Einstellung der Schüler. Seit den Osterferien habe sich dies aber deutlich verbessert, sagte der brlv-Vorsitzende Jürgen Böhm. Er gehe mittlerweile davon aus, dass man alle Schüler erreicht habe.

Für Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sind Kontakte etwa per Videokonferenz kein Ersatz für den persönlichen Unterricht. Man müsse auch Kinder und Eltern mitnehmen, die in der digitalen Welt verloren seien, sagte die BLLV-Präsidentin. Gerade bei Grundschülern sei die persönliche Beziehung sehr wichtig.

Quelle: DPA