Grüne fordern Schutzschirm

Mehr junge Menschen sind wegen Corona arbeitslos

© dpa, Hendrik Schmidt

23. September 2020 - 11:54 Uhr

In einigen Bundesländern ist der Anstieg besonders hoch

Die Corona-Krise hat Deutschland seit über einem halben Jahr fest im Griff, auch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind deutlich spürbar. So ist die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren von März bis August dieses Jahres um 53 Prozent angestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung mit, die RTL exklusiv vorliegt.

Demnach haben in diesem Zeitraum 113.000 junge Menschen ihren Job verloren. In einigen Bundesländern fällt der Anstieg besonders deutlich aus. Die Grünen fordern die Bundesregierung jetzt zum Handeln auf.

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Junge Arbeitnehmer stärker als ältere betroffen

Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Zahl aller Arbeitslosen einschließlich der Jüngeren im August mit 2,955 Millionen an. Das ist ein Anstieg um 27 Prozent im Vergleich zum Sommer 2019. Die Arbeitsagentur geht von bislang 637.000 Menschen aus, die wegen der Corona ihre Arbeit verloren haben.  Demnach wären junge Menschen etwas stärker von den Arbeitsmarkteffekten der Pandemie betroffen als ältere Arbeitnehmer. Das könnte daran liegen, dass zum einen weniger Menschen am Ausbildungsende übernommen wurden als im Vorjahr. Zum anderen sind junge Arbeitnehmer oft leichter zu kündigen als ältere, zumal sie sich öfter in befristeten Arbeitsverhältnissen befinden.

Grüne: Bundesregierung muss handeln 

Angesichts des deutlichen Anstiegs der Arbeitslosenzahlen bei den Unter-25-Jährigen während der Corona-Pandemie fordert die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, die Bundesregierung zum Handeln auf. "Seit Beginn der Krise steigt die Zahl junger Menschen, die keinen Job mehr finden. Die Bundesregierung darf nicht weiter wegschauen, sondern muss dafür sorgen, dass junge Menschen wieder mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben", so Göring-Eckardt zu RTL. "Wir brauchen einen Schutzschirm gegen Jugendarbeitslosigkeit mit Starthilfen für Berufseinsteiger".

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Saisonbedingte Arbeitsmarkteffekte keine Erklärung für starken Anstieg 

Laut Agentur für Arbeit steigt die Jugendarbeitslosigkeit jedes Jahr zum Sommer an, weil junge Menschen ihre Schul- oder Ausbildungszeit beenden. Das erklärt jedoch nicht den deutlichen stärkeren Anstieg während der Corona-Pandemie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Im Jahr 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren von März bis August um 19 Prozent, also um weniger als die Hälfte verglichen mit 2020. Noch ein anderer Effekt könnte den Vergleich der beiden August-Monate laut Agentur für Arbeit etwas verzerren: Dieses Jahr haben sich außergewöhnlich viele Jugendliche nach Ausbildungsende arbeitslos gemeldet. Die Arbeitsagentur vermutet, dass "es in diesem Jahr aufgrund der Verschiebungen der Abschlussprüfungen infolge der Corona-Krise zu einer zeitlichen Verlagerung der Arbeitslosmeldungen in den August gekommen ist". Dadurch könnten die  Augustzahlen dieses Jahres dramatischer wirken, als sie tatsächlich sind.

Unterschiede zwischen den Bundesländern 

Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen bei jungen Menschen ist auch in den einzelnen Bundesländern teils sehr unterschiedlich.

  • So verzeichnen Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg vergleichsweise hohe prozentuale Zuwächse.
  • Der Anstieg in  Brandenburg oder Schleswig-Holstein fällt deutlich geringer aus.
  • Allerdings hatten die Bundesländer sehr verschiedene Ausgangsniveaus. Während in Brandenburg die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen bis 25 Jahr auch vor Corona schon bei 6,7 Prozent lag, gibt es in Bayern auch nach fast einem halben Jahr mit der Pandemie mit 4,8 Prozent prozentual weniger arbeitslose unter 25-Jährige. Ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen wirkt sich hier in Prozentzahlen stärker aus.

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