Senioren an die frische Luft bringen

Hessisches Modellprojekt verleiht E-Rikschas an Altenheime

Mehr Möglichkeiten durch moderne Technik: Mithilfe von E-Rikschas können weniger mobile Senioren häufiger Ausflüge machen.
Mehr Möglichkeiten durch moderne Technik: Mithilfe von E-Rikschas können weniger mobile Senioren häufiger Ausflüge machen.
© dpa, sab

06. April 2021 - 9:08 Uhr

Willkommene Abwechslung in Altenheimen

Menschen hohen Alters mit eingeschränkter Mobilität nach draußen an die frische Luft zu bringen, ist gar nicht so einfach. Dabei sind Ausflüge gerade jetzt, zu Zeiten von Corona, wo Besuch von Verwandschaft eher seltener stattfinden kann, enorm wichtig für Altenheim-Bewohner. Im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Verkehr wurde nun die Aktion "Radfahren gemeinsam neu entdecken" ins Leben gerufen. Ziel ist es, Seniorenheimen elektronisch betriebene Rikschas zur Verfügung zu stellen, damit Mitarbeiter oder Ehrenamtler Senioren bequem spazieren fahren können.

Hessische Seniorenresidenz hat schon positive Erfahrungen gemacht

"Ich finde das eine ganz tolle Sache", sagt Katja Noll, die Leiterin der "Römergarten Senioren-Residenz Haus Ullrich" im mittelhessischen Kirchhain. Die Einrichtung ist eine von mehreren in Hessen, die an dem Projekt teilnehmen. Bisher hätten Mitarbeiter die Bewohner gefahren, nun seien auch Ehrenamtliche gefunden worden, die mit den Senioren Fahrten machten.
Zwei Passagiere finden auf der elektrisch angetriebenen Rikscha Platz. "Ausflüge in die Stadt, aber auch zu kleineren Seen in der Nähe sind beliebt", erzählt Noll. Für die Senioren bedeute das Freiheit und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. "Wenn das weiterhin so gut angenommen wird, wollen wir eine eigene Fahrrad-Rikscha anschaffen."

Aktion trifft den richtigen Nerv: Große Nachfrage nach E-Rikschas

Das Konzept des Projektes "Radfahren gemeinsam neu entdecken" sieht wie folgt aus: Das Land stellt zusammen mit der "Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen" sozialen Einrichtungen die Spezialfahrräder zur Verfügung, die für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gedacht sind. Unterstützung gibt es zudem vom Verein "Radeln ohne Alter Deutschland". So sollen den Menschen neue Freizeitmöglichkeiten, mehr Abwechslung sowie Bewegungsfreiheit eröffnet werden. Zudem will die Initiative zeigen, welche Optionen es auch für jene gibt, die nicht alleine oder aus eigener Kraft auf Fahrradtour gehen können.

Die Nachfrage ist laut dem hessischen Wirtschaftsministerium groß: "Derzeit sind zehn Spezialräder im Umlauf", berichtet ein Sprecher. Der Großteil der Räder kommt demnach in der Senioren- und Altenpflege zum Einsatz. Drei Monate könne eine Einrichtung das Angebot nutzen. Das Projekt wurde im vergangenen November gestartet und soll bis Ende des Jahres laufen. "Wir prüfen die Möglichkeit einer Verlängerung bis ins nächste Jahr."