Standardtore sind in Russland Standard

Cristiano Ronaldo trifft im ersten Vorrundenspiel der Portugiesen gegen Spanien per Freistoß
© dpa, Chen Yichen, hpl

19. Juni 2018 - 23:22 Uhr

Im ruhenden Ball liegt die Kraft

Wenn nichts mehr geht, muss halt der ruhende Ball her: Mehr als die Hälfte aller Tore bei der WM in Russland fielen nach Standards.

Der ruhende Ball muss ins Eckige

Standard  – das klingt zunächst einmal alles andere als aufregend; es klingt wie Durchschnitt, Mittelmaß, Langeweile. Standards bei der WM in Russland sind allerdings überhaupt nicht langweilig, sondern oftmals das Salz in der Suppe und spielentscheidend. Zwar wird der moderne Fußball immer schneller, immer athletischer - doch die meiste Gefahr besteht genau dann, wenn der Ball ruht. Wenn ein Cristiano Ronaldo zum Freistoß stolziert, dann steigen Puls und Blutdruck bei Mitspielern und Gegnern.

In den ersten 17 WM-Spielen von Russland fielen 22 der 42 Tore nach Standardsituationen – macht nach Adam Riese also mehr als die Hälfte  Vor vier Jahren in Brasilien lag die Quote bei 'nur' knapp einem Viertel.

Beispielhaft für diese Entwicklung war das 2:1 in der Begegnung zwischen England und Tunesien: Bei seinen beiden Toren profitierte Englands Torjäger Harry Kane von einstudierten Eckbällen. Und auch der zwischenzeitliche Ausgleich der Tunesier fiel nach einem Elfmeter und damit nach einem Standard.

Ein Standard als letztes Mittel

Harry Kane of England scores the winner 2-1 during the 2018 FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball Russia match between Tunisia and England at the Volgograd Arena, Volgograd, Russia on 18 June 2018. PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright: xPeterxDovga
Gleich rappelt's im Karton: Englands Harry Kane köpft das Siegtor gegen Tunesien im Anschluss an eine Ecke
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Apropos Elfmeter: Mit acht Elfmetertoren hat die WM in Russland schon jetzt zwei Drittel der Gesamtbilanz des Endturniers von Brasilien (12) erreicht. Das liegt aber nicht daran, dass die Spieler bei dieser Enrunde nach allem treten, was sich bewegt. Tunesiens Nationaltrainer Nabil Maaloul glaubt, dass durch die Einführung des Videobeweises (VAR) bei dieser Weltmeisterschaft mehr Strafstöße gepfiffen werden, durch den VAR "hat sich das Spiel geändert".

Standardsituationen werden vor allem deshalb so wichtig, weil sich die Qualitäten der Teams immer stärker annähern, sie sind also eine echte Waffe. "Inzwischen stehen fast alle Teams defensiv gut, es wird immer schwerer, offensiv etwas zu kreieren", sagte TV-Experte Christoph Kramer im ZDF. Ergo müssen es Standards richten.