Mehr als 1000 demonstrieren in Köln nach "Umweltsau"-Lied

Demonstranten von "Köln gegen rechts" protestieren gegen eine Kundgebung der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) gegen Rundfunkgebühren und den WDR. Foto: Roberto Pfeil/dpa
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05. Januar 2020 - 17:10 Uhr

Befürworter und Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben am Samstag vor der Zentrale des WDR in der Kölner Innenstadt demonstriert. Grund dafür war das "Umweltsau"-Lied des Senders, das vergangene Woche im Netz einen Shitstorm ausgelöst hatte. Angemeldet zu den verschiedenen Kundgebungen waren etwa 300 Teilnehmer, es seien aber weit mehr gekommen, schätzungsweise mehr als 1000, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die weitaus meisten davon gehörten zum Lager der linken Gegendemonstranten.

Am Rande kam es zu Tumulten und Rangeleien mit der Polizei. So erteilten Polizisten acht Platzverweise, in 20 Fällen leiteten die Beamten Ermittlungen ein, unter anderem zu Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Verstoß gegen das Waffengesetz und Diebstahl. Ein 48 Jahre alter Mann wurde festgenommen, weil er nach Polizeiangaben versucht hatte, Kundgebungsteilnehmer anzugreifen. Bei ihm sei ein Messer gefunden worden. Vier Demonstranten hätten leichte Verletzungen erlitten.

Am Sonntag kletterten Rechtsradikale auf das Dach des WDR-Funkhauses in Köln und entrollten von dort ein großes Banner. Darauf stand "WDRliche Medienhetze stoppen! GEZ sabotieren!" Außerdem warfen sie Flugblätter herunter. Als sie auf ihrer mitgebrachten Leiter wieder nach unten stiegen, wurden sie von der Polizei in Empfang genommen. Der Staatsschutz der Polizei Köln ermittelt nun wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und wegen Hausfriedensbruchs. Auf Nachfrage sagte ein Sprecher der Polizei, dass die Männer einer rechts orientierten Gruppe zuzuordnen seien.

Rechte Gruppen hatten auch zu der Demo am Samstag aufgerufen, das Motto hieß "Gegen GEZ und gegen Instrumentalisierung von Kindern gegen ältere Menschen". Das Bündnis "Köln gegen Rechts" organisierte dazu eine Gegenkundgebung unter der Überschrift "Kein Einknicken vor Hass und Hetze - Klare Kante gegen Rechts". Diese Veranstaltung wurde auch von der Gewerkschaft Verdi und dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) unterstützt.

Der DJV-Vorsitzende Frank Überall verteidigte die WDR-Satire. "Ganz gleich, ob einem der Song von der "Umweltsau" gefällt oder nicht: Er verletzt keine Werte", sagte er. Man müsse deshalb so ein satirisches Lied aushalten. Das gelte auch für den Intendanten. "Gerade dann sollte man nicht öffentlich rumpoltern, es sei falsch gewesen, das überhaupt zu senden", sagte Überall.

In dem Lied hatte ein Kinderchor auf die Melodie von "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" unter anderem "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" gesungen. Das entsprechende Video wurde bald darauf vom WDR gelöscht. Intendant Tom Buhrow entschuldigte sich für die Satire. Das wiederum stieß auch auf Kritik.

Die WDR-Redakteursvertretung kritisierte in einem internen Schreiben, dass Buhrow "einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm" so leicht nachgegeben habe. Das schade dem Ansehen des WDR. Am Dienstag soll es dazu eine außerordentliche Redakteursversammlung geben. Über das Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, hatte zuerst das Online-Medienmagazin "Übermedien" berichtet.

Buhrow verteidigte sein Vorgehen im aktuellen "Spiegel". Die "Umweltsau"-Satire sei missglückt, sagte er. "In diesem Fall hat in einem Familienprogramm ein nicht als Satire direkt erkennbares Video pauschal eine ganze Gruppe mit Umweltverschmutzung in den Zusammenhang gestellt." Dadurch hätten sich viele Senioren verletzt gefühlt.

Quelle: DPA