Mega-Strommasten in Hürth: Den Anwohnern stehen die Haare zu Berge

09. April 2015 - 18:13 Uhr

Leitungen sollen unter die Erde

Die für die Energiewende benötigten Stromtrassen führen in vielen Regionen zu Ärger bei den Anwohnern. Dies betrifft nicht nur die geplante Verbindung 'Suedlink', die bis 2022 ausgebaut werden soll. Diese 'Hauptschlagader der Energiewende' wird gebaut, um Strom aus Windkraft von der Küste quer durch Deutschland zu transportieren. Die Trasse soll in Wilster in Schleswig-Holstein beginnen und über Hessen und NRW bis nach Grafenrheinfeld in Bayern führen.

Mega-Strommasten in Hürth
Bürger machen mobil: Hürth-Gegen-Hochspannung: Demo gegen Hochspannungsleitung Rommerskirchen – Sechtem

Für den Netzausbau müssen auch in Wohngebieten stärkere 380.000 Volt Leitungen her, dagegen protestieren viele Anwohner. Viele hatten auf Erdkabel anstelle der bis zu 75 Meter hohen Masten gehofft. Nach bundesweiten Protesten wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz im vergangenen Jahr geändert und Bundeswirtschaftsminister Gabriel hatte Erdkabel in sensiblen Gebieten in Aussicht gestellt. Das gilt aber nicht für alte, bestehende Trassen. Das treibt nun in Hürth, einer Kleinstadt in der Nähe von Köln, Bürger, der Bürgermeister und Politiker aller Fraktionen auf die Straße.

380.000-Volt-Leitungen zum Greifen nah

In dem betroffenen Wohngebiet in Hürth stehen den Anwohnern schon jetzt die Haare zu Berge. Eine Leuchtstoffröhre leuchtet in der Hand, sobald sie unter eine der Hochspannungsleitungen gehalten wird. Der Strom ist bereits vor dem Ausbau der Trasse zu sehen, zu spüren und zu hören. Die Anwohner fürchten den Elektrosmog und wollen nicht, dass durch die riesigen Masten ihre Lebensqualität eingeschränkt und ihre Gesundheit gefährdet wird. Denn in diesem Wohngebiet werden noch nicht einmal die in NRW für Hochspannungsleitungen gesetzlichen 40 Meter Abstand zu Wohnhäusern eingehalten – Bundesrecht bricht Landesrecht.

In Hürth wird die unterirdische Verlegung der Leitung rigoros abgelehnt, während im Wahlkreis von Sigmar Gabriel – Salzgitter-Wolfenbüttel-Vorharz – geprüft wird, ob eine Erdverkabelung machbar ist. Die Bürger hatten den Wirtschaftsminister vergeblich nach Hürth eingeladen. Trotzdem wollen die Anwohner den Kampf David gegen Goliath antreten.

Viele waren noch nie in ihrem Leben auf einer Demo, sie haben angekündigt, gegen die Mega-Trasse durch ihr Wohngebiet zu klagen. 5.000 Betroffene wollen, dass nicht einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Auch wenn die alte Stromtrasse hier schon seit Jahrzenten steht, wollen die Anwohner sich nicht einfach mit dem geplanten Ausbau abfinden.