Endzeitstimmung am Tagebau Garzweiler

Mega-Staubwolke verpestet Anwohnern die Luft

18. August 2020 - 19:30 Uhr

Dunkle Wolken über dem Tagebau Garzweiler

Das, was immer wieder den Himmel am Tagebau Garzweiler verdunkelt, sieht nicht nur aus wie in einem Endzeit-Thriller: Die riesige graue Staubwolke könnte auch die Gesundheit der Menschen von Wanlo (Stadtteil von Mönchengladbach) gefährden. In den letzten zwei Wochen türmte sich der Staub gleich dreimal am Horizont auf. Im Video beschreibt ein Anwohner, wie ihm die verpestete Luft zusetzt.

Zehnmal so viel Feinstaub wie erlaubt

Der dunkle Staub legt sich wie ein Film über alles. Fensterbänke sind überzogen, Partikel finden sich sogar im Gartenteich von Anwohnern. Die Ursache dafür soll der nahegelegene Tagebau Garzweiler sein, in dem Braunkohle abgebaut wird. Viele Anwohner und Kohlegegner machen deshalb mobil gegen den Energieriesen RWE, der den Tagebau betreibt. Denn laut einer Studie kann Feinstaub Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschleunigen.

Andreas Cichy will's genau wissen – und misst mit einer Anlage, die mit einer App verbunden ist, die Feinstaubwerte. Ergebnis der privaten Messung am Rande des Tagebaus: Die Belastung ist zehnmal so hoch wie erlaubt. Er habe allergiebedingt ohnehin Probleme mit der Lunge und durch den Tagebau-Staub mehrfach heftig husten müssen, erklärt der IT-Experte.

RWE: Sturm fegt den Staub in die Nachbarorte

Viele Umweltaktivisten und Anwohner sind alarmiert, denn RWE will das Gebiet, in dem Braunkohle abgebaut wird, erweitern. Gegen eine Ausbreitung des Staubs würden Maßnahmen getroffen, sagt der Energieriese. Und die Grenzwerte seien bislang nur zweimal überschritten worden.

Doch gegen bestimmte Wetterlagen kommt selbst die modernste Technik nicht an. "Wenn vor einem Gewitter ein Gewittersturm durch den Tagebau fegt, kommt 'ne ganze Menge Staub zusammen und wird leider in die Nachbarorte getragen. Wir sind da schlichtweg machtlos", erklärt RWE-Sprecher Guido Steffen gegenüber RTL.

Eine plausible Erklärung – die den Anwohnern aber nicht weiterhilft. Sie fühlen sich vergessen und hoffen, dass die Politik handelt.