Geschlossene Gesellschaft

Mega-Hype um "Clubhouse": Das steckt hinter der neuen Social-Media-App

Das neue Instagram? "Clubhouse" hat in Deutschland einen echten Hype ausgelöst.
Das neue Instagram? "Clubhouse" hat in Deutschland einen echten Hype ausgelöst.
© picture alliance

18. Januar 2021 - 13:52 Uhr

Neue App geht durch die Decke

In Deutschland ist ein Hype um die Social-Media-App "Clubhouse" ausgebrochen. Auf Twitter, Facebook oder Instagram berichten zahlreiche Nutzer und viele Prominente über die neue App. Experten glauben sogar, dass "Clubhouse" das Potenzial hat, ein echter App-Kracher zu werden. Aber nicht jeder kann die App benutzen. Wer mitmachen will, braucht eine Einladung. Und das ist nicht der einzige Haken an "Clubhouse".

Was genau ist "Clubhouse"?

Caro Daur, Joko Winterscheidt oder Louisa Dellert: Die Promidichte bei "Clubhouse", einer neuen Social-Media-App, ist in den letzten Tagen explosionsartig gestiegen und alle wollen mitmachen. Doch was ist Clubhouse überhaupt?

Anders als bei TikTok, Instagram oder Snapchat, geht es bei "Clubhouse" nicht um Bild- oder Videoinhalte. Stattdessen kommen die Nutzer der App in Audio-Chatrooms zusammen und tauschen sich hier über vorher festgelegte Themen aus, erklärt Janna Linke, Startup-Expertin bei RTL. Der Diskussionsstoff reicht von Politik über Marketing und Social-Media-Trends bis hin zur Klimadebatte, Nachhaltigkeits-Themen oder Sport. Nutzer der App können den virtuellen Gesprächsrunden jederzeit betreten, den Moderatoren und "Speakern" zuhören und sich aktiv am Gespräch beteiligen – ohne Video. So entsteht eine Mischung aus Live-Podcast und Konferenz über Telefon. Im Prinzip kann jeder Nutzer einen solchen virtuellen Diskussionsraum eröffnen und andere Nutzer in diese Runde einladen.

Zurzeit tummeln sich vor allem Leute aus der Wirtschafts- und Startup-Szene, der Politik, der Medienbranche und zahlreiche Prominente und Influencer auf "Clubhouse".

Wie kann ich mitmachen?

Eigentlich hört sich das Konzept vielversprechend und vor allem einfach an: Über eine App können sich fremde Nutzer miteinander verbinden und so zum Beispiel ihr berufliches Netzwerk ausbauen oder Vorträge zu spannenden Themen hören. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Anders als TikTok, Facebook oder Instagram, steht "Clubhouse" nicht für jeden zu Verfügung. Wer mitmachen will, braucht eine Einladung. Ohne die geht bei "Clubhouse" gar nichts. Eingeladen werden können Nutzer über Freunde und Bekannte, die schon in der App registriert sind. Dieser sogenannte "Invite" funktioniert ausschließlich über die Handynummer. Dadurch, dass momentan nur Leute mitmachen können, die eine solche Einladung haben, entsteht ein Riesen-Hype um "Clubhouse" Denn es wird der Eindruck erweckt, dass es sich hierbei um etwas ganz Besonderes handelt. Dabei sehen Experten hinter der Einladungs-Strategie von Clubhouse einen einfachen Werbe-Bluff: "Diese künstlich erzeugte Knappheit ist ein alter Marketing-Trick, der aber gut funktioniert und bei vielen eine Art 'Fear of missing out', also die Angst etwas zu verpassen, erzeugt", sagt Janna Linke, Startup-Expertin von RTL.

Nach Angaben von "Clubhouse" hat diese künstliche Verknappung einen rein praktischen Grund. Bei der jetzigen App-Version handle es sich laut den Machern um eine Art Testversion. Aufgrund des aktuellen Hypes befürchte man, dass die Software bei zu vielen Nutzern zusammenbricht, weswegen "Clubhouse" derzeit nur eine begrenzte Anzahl an Nutzern zulasse heißt es von den Entwicklern. Doch schon bald wolle man die App ohne "Invite" anbieten.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Kritik von Datenschützern: Clubhouse-Gespräche werden aufgezeichnet

Wer eine andere Person zu Clubhouse einladen möchte, der muss der App erlauben, dass sie auf Kontaktdaten aus dem Telefonbuch zugreifen darf. So könnten nicht nur sensible Daten des Nutzers zu den Machern der Plattform gelangen, sondern auch Daten aus dessen Umfeld, kritisieren Datenschutzexperten. Während der Hype im Netz gerade riesig ist, beäugen Datenschützer "Clubhouse" kritisch. Denn Clubhouse zeichnet sämtliche Gesprächsinhalte mit und speichert diese auf seinen Servern. Verstöße gegen die Community-Guidlines könne man so besser feststellen, heißt es in den Nutzungsbedingungen. Nutzer sollten also Vorsicht walten lassen, wenn sie über persönliche Themen sprechen.

Derzeit können "Clubhouse" nur iPhone oder iPad-Besitzer nutzen. Eine Version der App für Android gibt es nicht. Die Entwickler könnten so versuchen, den Kreis der Nutzer auch künftig weiter exklusiv zu halten.

Startup-Expertin: "Wir müssen Clubhouse genau im Blick behalten"

Ist Clubhouse nur ein kurzfristiger Hype, künstlich erzeugt durch einen Marketing-Streich, oder hat die Social-App das Potenzial, den Kampf mit den ganz großen Netzwerken wie Facebook, Snapchat oder TikTok aufzunehmen? Das Echo im Netz reicht von "spannende und tolle App" bis hin zu "das braucht kein Mensch und ist nur was für die Elite". Unsere Expertin sieht aber noch ein viel größeres Problem: "Stichwort: "Hate Speech". Das kennt man von YouTube, Facebook, Instagram und Co. Bislang macht Clubhouse kaum Anstalten moderierend in die Diskussionen einzugreifen. Das sehe ich für die Zukunft als Problem an." Auch den Missbrauch durch verschiedenste politische Gruppen sollte man auf dem Schirm haben, gibt Linke zu bedenken.

Alles rund um Digitales

Sie wollen mehr über die neuesn Digital-Trends und App-Hypes erfahren? Hier finden Sie weitere Nachrichten aus den Bereichen Internet und Digitalisierung.