Mega-Börsenabsturz nach Bilanz-Krimi

Wirecard-Aktie bricht um fast 70 Prozent ein

FILE PHOTO: The headquarters of payments company Wirecard AG in Aschheim near Munich, Germany, April 25, 2019. REUTERS/Michael Dalder/File Photo
Das Hauptquartier von Wirecard in Schheim.
/FW1F/David Goodman, REUTERS, Michael Dalder

Immer noch kein Jahresabschluss bei Wirecard

Die Anleger des Dax-Konzerns Wirecard mit Sitz in Aschheim bei München werden sich wohl noch lange an diesen Tag erinnern: Die Aktie des Zahlungsdienstleisters bricht massiv ein und verliert bis zu zwei Dritteln an Wert. Grund ist eine weitere Verzögerung des lange erwarteten Jahresabschlusses.

Wirecard sieht sich als Opfer eines "gigantischen Betrugs"

Der Zahlungsanbieter Wirecard hat die Veröffentlichung seines lange erwarteten Jahresabschluss 2019 erneut verschoben – zum vierten Mal. Der Abschlussprüfer EY habe Wirecard darüber informiert, dass es über die Existenz von im Konzernabschluss zu konsolidierenden Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise gebe, teilte Wirecard mit. Die Summe entspreche etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme.

Nun droht die Kündigung von Krediten in Milliardenhöhe. Der Vorstand arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung des Sachverhalts. Wirecard will zudem Strafanzeige gegen unbekannt erstatten, wie ein Sprecher sagte. Das Unternehmen sehe sich als mögliches Opfer eines "gigantischen Betrugs".

Die Wirecard-Aktie stürzt um rund 66 Prozent ab. Wirecard sollte eigentlich den mehrfach verschobenen Jahresabschluss 2019 vorlegen. Dazu wird es jetzt nicht kommen. Sollte Wirecard bis Freitag kein testierter Jahres- und Konzernabschluss vorliegen, können Kredite der Wirecard AG in Höhe von rund 2 Milliarden Euro gekündigt werden.

Wirecard-Krimi geht weiter

Damit steigt der Druck auf CEO und Großaktionär Markus Braun massiv. Dem Konzern werden seit geraumer Zeit immer wieder Bilanztricksereien vorgeworfen. Ein vom Unternehmen selbst in Auftrag gegebenes Gutachten bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat zwar keinen Korrekturbedarf für die Bilanzen 2016 bis 2018 gefunden, dem Konzern jedoch organisatorische Mängel vorgeworfen. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen Braun und seine drei Vorstandskollegen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Anfang des Monats wurden sogar die Geschäftsräume durchsucht.

Quelle: DPA / RTL.de