Krebs wird im Blut entdeckt, bevor er im MRT sichtbar wird

Medizinischer Durchbruch: Bluttest erkennt Brustkrebs

21. Februar 2019 - 13:33 Uhr

70.000 Frauen in Deutschland erkranken jedes Jahr an Brustkrebs

Das könnte Millionen Frauen das Leben retten: Mediziner der Uniklink Heidelberg haben nach eigenen Angaben einen Bluttest entwickelt, der zuverlässig Brustkrebs erkennen kann. Warum ist das so wichtig? Für alle Krebsarten gilt: Je früher sie entdeckt werden, desto höher sind die Heilungschancen. Jetzt wurde die neue Methode offiziell vorgestellt.

Entwickler: „Neue, revolutionäre Möglichkeit“

Sohn
Mit-Entwickler Professor Christof Sohn.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jedes Jahr etwa eine Million Frauen weltweit neu an Brustkrebs. An keiner anderen Krebsart sterben mehr Frauen. Bei einer frühzeitigen Erkennung ist die Heilungschance mit 95 Prozent jedoch sehr hoch.

Bereits seit Jahren wird daran geforscht, Krebs im Blut zu erkennen. Nun haben Ärzte der Universitätsklinik Heidelberg mit einem Test Brustkrebs im Blut nachgewiesen. "Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen", sagt Mit-Entwickler Professor Christof Sohn.

"Im Blut wird Krebs entdeckt werden können, noch bevor er sichtbar wird. Im MRT sieht man Tumore erst ab 5 Millimetern Größe - dann sind aber schon Millionen Krebszellen vorhanden", das so der Mediziner. Der Krebs kann dann bereits neue Metastasen im Körper gestreut haben.

Neues Verfahren deutlich weniger belastend für Frauen

Heidelberg
Prof. Dr. Sarah Schott und Prof. Dr. Christof Sohn von der Universität Heidelberg leiteten das Projekt

Wie stark durch den neuen Test die Heilungschancen verbessert werden, ist für den Mediziner "Zukunftsmusik." Er geht aber davon aus, dass durch neue Diagnosemethode Brustkrebs deutlich früher erkannt und somit therapiert werden kann.

Für den Test sind nur wenige Milliliter Blut notwendig, er soll von jedem Labor durchgeführt werden können. Der Test kann bei Frauen aller Altersgruppen durchgeführt werden; besonders profitieren jüngere Frauen unter 50 Jahren und Frauen mit familiärer Hochrisikosituation für eine Brustkrebserkrankung, so die Forscher.

"Der größte Vorteil des Bluttests: er reagiert besonders bei Frauen unter 50 Jahren sehr sensitiv, hat hier eine Treffsicherheit von 75 Prozent", so Sohn. Damit sei er ähnlich zuverlässig wie eine Mammographie. Aber der Bluttest ist weniger aufwendig als die anderen Verfahren wie Mammographie, Ultraschall oder MRT. "Das neue blutbasierte Verfahren ist deutlich weniger belastend für Frauen", erklärt Professorin Sarah Schott. Und vor allem kommt es ohne Strahlung aus.

Neuer Test soll auch bei Eierstockkrebs funktionieren

Sohn geht davon aus, dass der Test ab Herbst 2019 "marktreif" ist. Ob der Test dann direkt für die Allgemeinheit zur Verfügung steht, ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen, das steht derzeit noch nicht fest.

Weitere Positiv-Nachricht: Auch beim besonders aggressiven Eierstock-Krebs, für den es bislang keine Vorsorge gibt, soll der neuartige Test ähnlich zuverlässig funktionieren. Und somit auch hier die Heilungschancen deutlich erhöhen. Hier liegt die Früherkennungsquote bei mehr als 80 Prozent.

Um Brustkrebs früh erkennen und behandeln zu können, ist Vorsorge wichtig. Alle Infos zum Thema Brustkrebs und Früherkennung finden Sie hier.