Maschine ersetzt komplettes Blut mit kalter Kochsalzlösung

Medizinische Sensation: Patient wurde während OP künstlich „getötet“ – um sein Leben zu retten

22. November 2019 - 17:23 Uhr

OP-Sensation in den USA: Blut durch Salzlösung ausgetauscht

Es klingt ein wenig nach Science-Fiction, was Ärzten in den USA nun zum ersten Mal geglückt ist: Sie haben das Blut eines schwerverletzten Patienten durch eine gekühlte Salzlösung ausgetauscht, so dass er für zwei Stunden klinisch tot war. So gewannen die Ärzte Zeit, um ihn operieren zu können und sein Leben zu retten.

Künstlicher Scheintod: Der Körper wird auf 10 bis 15 Grad runtergekühlt

Professor Samuel Tisherman von der University of Maryland School of Medicine ist der erste Mediziner, dem dieser Eingriff gemeinsam mit seinem Team geglückt ist. Gegenüber dem Fachmagazin "New Scientist" erklärte er, "es fühlte sich ein wenig surreal an". Bei der Behandlung wird das Blut des Patienten komplett durch eine kalte Salzlösung ausgetauscht.

Dadurch sinkt dessen Körpertemperatur auf 10 bis 15 Grad Celsius und der "Tod" des Patienten setzt ein - in der Folge sind keine Hirn- und Herzaktivität mehr messbar. Hoffnung und einen hohen Nutzen verspricht diese Methode vor allem bei schwerverletzten Menschen, die beispielsweise durch eine Schussverletzung oder einen Unfall einen hohen Blutverlust erlitten haben. Normalerweise hätten diese Patienten bei einer Operation "eine Überlebenschance von nur fünf Prozent", berichtet Tisherman. Durch den kontrollierten Herzstillstand gewinnen die Ärzte jedoch etwa zwei Stunden Zeit, um die lebenserhaltende Operation durchzuführen.

Patient wurde quasi konserviert und wiederbelebt

Die von ihm entwickelte Methode nennt Tishermann "Emergency preservation and resuscitation" (Notfallkonservierung und Wiederbelebung). Hintergrund ist, dass die Zerstörung von Zellen durch die Kältebehandlung aufgehalten wird. Unter normalen Umständen sterben die ersten Zellen bereits wenige Minuten nach der Unterversorgung mit Sauerstoff ab. Schon nach etwa fünf Minuten ohne Sauerstoff wird das Gehirn irreparabel geschädigt, das heißt, die Schäden sind nicht mehr rückgängig zu machen. Genau dies hat der Einsatz der eiskalten Salzlösung verhindert.

Nach der Operation wird die Salzlösung aus dem Körper des Patienten entfernt und gegen Blut ausgetauscht. Der Körper des Patienten wird erwärmt, bis der Herzschlag wieder einsetzt. Bislang wurde diese Technik nur an Schweinen getestet. Nun ist sie erstmals an einem Menschen geglückt. Ein sensationeller und vor allem vielversprechender Erfolg, der Hoffnung auf eine neue Ära der Behandlung von Schwerstverletzten macht.