Medizinische Sensation: Fühlende Prothesen wecken neue Hoffnungen für Beinamputierte

16. Juni 2015 - 16:45 Uhr

"Ich bin total glücklich, dass ich die Prothese habe"

Die fühlende Prothese ist eine medizinische Weltsensation: Einem Entwickler-Team aus Wien ist es gelungen, erstmals eine Prothese zu entwickeln, mit der der Träger die Beschaffenheit des Bodens spüren kann und sogar die Temperatur fühlt. Das künstliche Bein kommt den Fähigkeiten eines gesunden Fußes erstaunlich nahe.

Medizinische Sensation Fühlende Prothesen
Wolfgang Rangger kann dank der fühlenden Prothese wieder klettern.

"Ich bin total glücklich, dass ich die Prothese habe. Es ist wie ein zweites Leben, ich kann wieder Sachen machen, die ich vorher gemacht habe", sagt Wolfgang Rangger. Er ist weltweit der erste Mensch, der die neue Prothese tragen darf. Mit ihr kann er alles machen, worauf er mit einer handelsüblichen Prothese verzichten musste. Die Sturzgefahr war zu groß. Doch Fahrrad fahren, Reiten, lange Spaziergänge und sogar Klettern sind für Rangger mit der fühlenden Prothese wieder möglich.

Große Hoffnung für Millionen Prothesenträger

Die Prothese hat Sensoren am Fuß. "Diese messen die Abrollbewegung des Fußes am Boden, sie detektieren, wenn man so will den Bodenkontakt", erklärt Hubert Egger, Professor für Prothetik. Die erfassten Daten werden über Leitungen an genau die Nerven-Enden weitergegeben, die vor der Amputation für den echten Fuß verantwortlich waren.

Da die Informationen über die Nervenbahnen direkt ans Gehirn weitergegeben werden, reduzieren fühlende Prothesen auch die Phantomschmerzen, unter denen viele Beinamputierte leiden, so Egger weiter. Bis die Prothese serienmäßig auf den Markt kommt, sind noch einige Tests nötig. Doch obwohl das noch vier bis fünf Jahre dauern kann, ist die fühlende Prothese bereits jetzt eine große Hoffnung für Millionen Prothesenträger.