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Medizin: Branchenkonferenz will Digitalisierung vorantreiben

Krankenversicherungskarten
Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen liegen auf einem Tisch. Foto: Jens Kalaene/Archiv © deutsche presse agentur

Deutschland läuft nach Expertenmeinung Gefahr, bei der Umstellung des Gesundheitswesens auf digitale Technik den Anschluss an internationale Entwicklungen zu verlieren. Ein Beispiel dafür sei das Gerangel um die Gesundheitskarte. "Es wird versucht, mit kleinen Schritten die Probleme zu lösen", sagte der Präsident der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft, Marek Zygmunt. Die große Schwierigkeit sei, dass sich die beteiligten Krankenkassen nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnten. Das Resultat sei, dass Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen einem Flickenteppich gleiche. Das Thema steht bei der 14. Ausgabe der Konferenz mit mehr als 600 Teilnehmern am 24. und 25. Mai in Rostock oben auf der Agenda.

"Wir brauchen einen Masterplan, der von der Bundesregierung initiiert wird", forderte Zygmunt. Bei der Digitalisierung funktioniere der Föderalismus nicht. Der Greifswalder Medizinprofessor zeigte sich sicher, dass die Zustimmung der Bevölkerung für die Gesundheitskarte viel größer ist als von vielen Experten angenommen. Deren Widerstände haben seiner Meinung auch etwas mit Umverteilung und der Furcht vor unbekannten Mechanismen zu tun. Klar sei für ihn: "Datenschutz ist meist nur für Gesunde von großer Bedeutung. Wer krank ist, möchte die Hilfe rasch und unbürokratisch."

Wie sich andere Länder entwickeln können, zeige neben den baltischen Ländern Polen. Dort werde landesweit ab diesem Herbst die elektronische Gesundheitskarte eingeführt. "Ein Rezept für Arzneien, wie wir es kennen, wird es dort dann nicht mehr geben", sagte Zygmunt. Auch Überweisungen und andere Leistungen seien auf der Karte gespeichert.

Die Gesundheitswirtschaft ist für den Nordosten ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Mehr als ein Viertel des Bruttoinlandprodukts hängt laut Statistik von dieser Branche ab. Etwa jeder siebte Euro Bruttowertschöpfung werde in der Gesundheitswirtschaft generiert.


Quelle: DPA

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