Die Hoffnung: Klinische Studien mit COVID-19-Medikament im Herbst

Braunschweiger Forscher melden Durchbruch bei Corona-Blocker

06. Mai 2020 - 14:26 Uhr

Antikörper schützen Zellen vor dem Virus

Unermüdlich forschen Wissenschaftler weltweit nach Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus. Jetzt meldet das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) einen Durchbruch: Hier wurden mehr als 750 Antikörper gefunden, die das Virus am Eindringen der Zellen hindern. Auf dieser Basis soll ein Medikament entwickelt werden, das möglicherweise bereits im Herbst bei COVID-19-Patienten zum Einsatz kommen kann. Wie dieser Corona-Blocker funktioniert, sehen Sie im Video.

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"Wir sind auf dem richtigen Weg"

Prof. Luka Cicin-Sain, Virologe am HZI, sagte der "Braunschweiger Zeitung: "Das ist eindeutig ein Durchbruch, der zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg für die Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19". Er und sein Team haben dem Bericht zufolge 6.000 verschiedene künstlich hergestellte menschliche Antikörper analysiert. Dabei fanden die Forscher mehr als 750 Antikörper, die an das Coronavirus andocken - eine Voraussetzung dafür, den Erreger erfolgreich zu bekämpfen. Nun werden die Antikörper an Zellkulturen auf ihre Wirksamkeit getestet.

Medikament soll bei akuter Infektion helfen

Auch in Israel meldete Verteidigungsminister Naftali Bennett gerade einen "bedeutenden Durchbruch" in der Antikörperforschung gegen Corona. Anders als dort ist das Ziel am Braunschweiger HZI jedoch keine Impfung, sondern ein Arzneimittel, mit dem schwerkranke Corona-Patienten akut behandelt werden können: "Das Wirkprinzip, mit dem wir arbeiten, ist die sogenannte Passiv-Immunisierung", erklärt Stefan Dübel von der Technischen Universität Braunschweig. "Die Wirkung tritt sofort ein: Die Antikörper nehmen dem Virus das Potenzial."

Prof. Luka Cicin-Sain erklärt das Prinzip des Corona-Blockers im RTL-Interview mit einem Vergleich: "Dieses Virus funktioniert wie eine Distel, die auf der Oberfläche kleine Häkchen hat. Mit diesen Häkchen kann es sich an Zellen binden, vermehrt sich in unseren Zellen und macht uns krank. Der Blocker überschwemmt diese Häkchen wie mit Watte, sodass sie sich nirgendwo mehr anbinden können und das Virus für uns harmlos wird."

Welche verschiedene Arten von Corona-Antikörpern es gibt, erklärt RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht in diesem Artikel.

Ziel der Forscher: Erste Behandlungen im Herbst

Die Suche nach dem besten Antikörper-Kandidaten für ein späteres Medikament soll noch bis Mitte Juni fortgesetzt werden, sagte Thomas Schirrmann vom Biotech-Unternehmen Yumab, das an dem Projekt beteiligt ist. Laut "Braunschweiger Zeitung" solle der Favorit dann "auf Herz und Nieren" geprüft und die Entwicklung für die klinische Praxis vorbereitet werden.

"Wenn alles gut läuft, gehen wir davon aus, dass wir im Herbst mit klinischen Studien anfangen werden", so Prof. Luka Cicin-Sain zu RTL. "Wenn die sich als gut erweisen, können wir den Menschen etwas geben. Die Frage ist auch, wie schnell die Produktion hochfahren kann, da sind noch viele Fragezeichen - aber wir sind zuversichtlich."

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