Medienberichte

Berliner Charité soll leukämiekrankes Kind aus Personalmangel abgelehnt haben - kurz darauf ist es tot

Charité Universitätsmedizin
© dpa, Jörg Carstensen, car tba jkh dna wok

06. Februar 2020 - 10:11 Uhr

Personalmangel an der Berliner Charité hat offenbar schlimme Folgen für einige Patienten

Personalmangel und Pflegenotstand in der Medizin - seit Monaten ein Thema. Besonders deutlich macht das Problem jetzt ein Vorfall, der sich in der Berliner Charité ereignet haben soll. Das Krankenhaus hat offenbar mit so großem Personalmangel zu kämpfen, dass auch schwerste Fälle teilweise abgelehnt werden müssen - mit teils schlimmen Folgen für die Patienten. Wie rbb24 und tagesschau.de unter Berufung auf das ARD-Magazin Kontraste berichten, soll das Krankenhaus ein an Leukämie erkranktes Kind abgelehnt haben, weil die Spezialstation nicht voll besetzt gewesen sei.

Konnten aus Personalmangel nicht alle Betten der Spezialstation belegt werden?

Wie das ARD-Magazin berichtet, sei die schwere Erkrankung des Kindes an einem anderen Berliner Krankenhaus festgestellt worden, das selbst allerdings nicht über eine eigene Krebsstation verfüge. Die schnelle Verlegung an die Berliner Charité sei dann gescheitert, da aufgrund von Personalmangel nicht alle Betten der Kinderstation belegt werden konnten. Das Magazin beruft sich auf mehrere nicht genannte Quellen. Im Dezember hatte die Charité bereits selbst mitgeteilt, keine Kinder mehr auf der Krebsstation aufnehmen zu können.

Kinderarzt erhebt schwere Vorwürfe gegen Berliner Charité

Ein nicht namentlich genannter Kinderarzt sagte dem Magazin: "Bei uns auf Station hatten wir leider keine freien Betten und auch sonst im Haus war trotz intensiver Bemühungen kein Bett zu finden", sagte er. "Wir mussten die Verlegung des Kindes daher zunächst ablehnen." Im Aufnahmekrankenhaus habe sich der ohnehin kritische Zustand des Kindes über Nacht weiter verschlechtert.

Am nächsten Tag sei das Kind dann zwar auf die Station verlegt worden, aber rasch verstorben. Der Arzt erhebt laut dem Magazin schwere Vorwürfe gegen die Klinik: "Man kann es nie wissen, aber vielleicht wäre das Kind noch am Leben, wenn wir es rechtzeitig hätten übernehmen können", wird er zitiert.

Eine Anfrage des Magazins an die Charité im Bezug auf den konkreten Fall sei mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht bislang unbeantwortet geblieben, heißt es.

Leitung der Charité räumt Fehler ein

Die Leitung der Charite hat laut dem Magazin allerdings mittlerweile Fehler im Umgang mit dem Pflegepersonal auf der Kinderkrebsstation des Hauses eingeräumt. "Gerade in der Kinderonkologie gerät man sehr leicht in eine Zwickmühle, dass man auch dem Personal gegenüber [...] mit der Krankheit der Kinder argumentiert", ssagte Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung, dem ARD Magazin. Er sprach von "enormem psychischen Druck", dem die Pflegekräfte ausgesetzt seien. Dieser Druck sei möglicherweise zu stark ausgeübt worden.