Medienbericht: Pflege im Alter ist in Deutschland mittlerweile unbezahlbar

10. Februar 2016 - 18:57 Uhr

411.000 Menschen sind auf Hilfe zur Pflege angewiesen

Über das Älterwerden denken viele Menschen nicht gerne nach. Drängende Fragen, die in Verbindung mit dem Leben im Alter relevant werden, sind unbequem und werden deshalb aufgeschoben oder gleich ganz verdrängt. Doch wenn ein Pflegefall eintritt, fehlt es an der nötigen Vorsorge und Altenheime in Deutschland sind teuer. So überrascht es nicht, dass die Zahl der Menschen, die sich Versorgung im Alter nicht mehr leisten können, dramatisch angestiegen ist. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die der 'Welt am Sonntag' vorliegen.

Altenpflege, Senioren, Pflegestufe
Zurzeit sind in Deutschland 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig.
© picture alliance / ZB, Waltraud Grubitzsch

Wie das Blatt berichtet, waren 2010 411.000 Menschen auf Hilfe zur Pflege angewiesen – 2009 waren es noch rund 392.000. Das entspricht einem Anstieg von rund fünf Prozent. Deshalb schlägt der Sozialverband VdK Alarm: "Das Risiko, durch Pflegebedürftigkeit in Armut abzurutschen, steigt seit Jahren", sagte Präsidentin Ulrike Mascher der Zeitung.

Experten erwarten eine deutliche Verschärfung des Problems. Laut aktueller Studien liegt die Wahrscheinlichkeit, im Alter pflegebedürftig zu werden, bei durchschnittlich etwa 50 Prozent. Dabei sind Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung deutlich stärker betroffen als Männer. Zurzeit sind rund 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Im Jahr 2050 könnten es laut Schätzungen 4,7 Millionen sein.

Bereits jetzt betragen die staatlichen Ausgaben für Unterstützung zur Pflege 3,4 Milliarden Euro. Drei Viertel, die auf Hilfe angewiesen sind, leben in Heimen. Die Kosten für die Unterkunft übersteigen meist um das Doppelte die Gelder, die die Pflegeversicherung des Patienten übernimmt – selbst bei der höchsten Pflegestufe.

Über alternative Versorgungsformen muss nachgedacht werden

Während in der Pflegebranche noch darüber diskutiert wird, wie Kooperationen mit Altenheimen im Ausland funktionieren können, handeln viele Betroffene und wandern aus. In Thailand, Osteuropa und Spanien verbringen immer mehr Deutsche ihren Lebensabend, weil sie sich dort die Pflege noch leisten können.

Die Idee, Pflegebedürftige im Ausland zu versorgen, sehen nun auch führende Sozialversicherungsexperten als reelle Möglichkeit an. "Angesichts dieses drohenden Notstands ist es angebracht, über alternative Versorgungsformen zumindest nachzudenken", sagt der CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete Willi Zylajew der 'Welt am Sonntag'.