Seit zwei Monaten auf der Flucht

Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek soll sich in Russland verstecken

Marsalek
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31. August 2020 - 10:42 Uhr

Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek soll in der Nähe von Moskau leben

Jan Marsalek ist seit zwei Monaten auf der Flucht. Der Ex-Vertriebsvorstand vom ehemaligen Dax-Konzern Wirecard wird für einen der größten Finanz-Skandale der deutschen Geschichte verantwortlich gemacht und wegen Betrugs international gesucht. Jetzt stellt sich heraus: Der Österreicher lebt vermutlich in Russland - und könnte Hilfe der Geheimdienste gehabt haben.

Medienbericht: Geheimdienst soll Jan Marsalek verstecken

Jan Marsalek hat wohl geahnt, was ihm droht. Vier Tage bevor Wirecard die Luftbuchungen über 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz zugeben musste, setzte sich das frühere Vorstandsmitglied des Zahlungsdienstleisters ab. Von Klagenfurt führte der Weg Marsaleks mit einem Privatjet erst nach Tallin. Von dort aus flog der Manager weiter in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Mittlerweile soll Marsalek auf einem Anwesen westlich von Moskau untergebracht sein. Das berichtet das "Handelsblatt".

Dort stehe er nicht mehr unter Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes GRU, sondern unter Kontrolle des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, das hat das "Handelsblatt" von Bekannten des Geflüchteten erfahren. Der Geheimdienst habe darauf bestanden, den Manager aus Weißrussland wegzubringen, weil es in der Nähe von Moskau sicherer für ihn sei, heißt es weiter. 

Wirecard-Skandal im Juni aufgeflogen

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Juni milliardenschwere Luftbuchungen eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Zentrale Fragen bei der politischen Aufarbeitung sind, wann genau die Bundesregierung von Unregelmäßigkeiten wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat. Bei einer Sondersitzung des Finanzausschusses Ende Juli hatte Finanzminister Scholz Vorwürfe gegen die Bafin zurückgewiesen. Am Montag soll der Wirtschaftskrimi erneut Thema in einer Sondersitzung des Finanzausschusses im Bundestag sein. Auch die Verbindung des deutschen Unternehmens mit Auslandsgeheimdiensten soll beleuchtet werden, heißt es.

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